22:23 26 Juni 2019
SNA Radio
    Ölpreis

    Billiges Öl: „Russlands Staatshaushalt wird das verkraften“

    © Fotolia / AshDesign
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    Krisenstimmung in Russlands Wirtschaft (146)
    0 827

    Russische Minister und Experten gehen davon aus, dass sich das Rohöl nicht mehr drastisch verbilligen wird. Zwar bedeutet der derzeitige niedrige Ölpreis ein Etatdefizit für Russland, doch die akkumulierten Devisenreserven reichen aus, um dieses Defizit zu verkraften. Unterdessen soll die Zahl der Bohrinseln am Schelf deutlich steigen.

    Der Chef des russischen Öl- und Gasindustrieverbandes, Gennadi Schmal, erwartet im Laufe des Jahres keinen drastischen Ölpreis-Verfall. Zum Jahresende werde ein Barrel Rohöl mit Sicherheit mehr als 50 US-Dollar kosten, prognostizierte Schmal für die Mittwochausgabe der „Rossijskaja Gaseta“.

    Hoffentlich hebe die US-Regierung ihr Embargo für Rohöl-Exporte nicht auf und baue stattdessen ihre Schieferöl-Projekte weiter ab. „Die anderen Faktoren sind vorübergehend. Bald sollte sich das Rohöl auf 60 Dollar verteuern – wie im Februar. Falls sich dieser Trend ausbleibt, bleibt der 50-Dollar-Preis voraussichtlich für ein halbes Jahr bestehen. Der russische Staatshaushalt wird das verkraften“, so Schmal.

    Bei ihrem aktuellen Haushaltsplan für 2015 geht die russische Regierung eben von einem 50-Dollar-Preis aus. Wenn das Rohöl nicht mehr kostet, erwartet das Finanzministerium eine Neuverschuldung in Höhe von umgerechnet 40 Milliarden Euro. Dieses Defizit kann aber aus dem staatlichen Reservefonds gedeckt werden. Im Moment sind mehr als 70 Milliarden Euro im Reservefonds akkumuliert.

    Die russische Zentralbank erwartet, dass russisches Öl der Marke Urals in absehbarer Zukunft durchschnittlich 50 bis 55 US-Dollar pro Barrel kosten wird. Im Jahr 2017 soll der Preis dann auf 70 bis 75 Dollar steigen. Die Zentralbank erwartet keine drastischen Rückschläge für die russische Wirtschaft wie während der Krise in den Jahren 2008 und 2009, denn die derzeitige Erholung der Weltwirtschaft sollte die Nachfrage nach Öl schüren.

    Nach Ansicht des russischen Wirtschaftsministers Alexej Uljukajew ist der Ölpreis derzeit auf der Suche nach einer neuen Balance: Weitere Schwankungen sind zwar möglich, sie werden aber kaum Dutzende Dollar pro Barrel erreichen.

    Trotz der niedrigen Ölpreise wollen russische und asiatische Hersteller die Produktion von Bohrplattformen für den russischen Festlandsockel intensivieren. Wie die russische Tageszeitung „Iswestija“ am Mittwoch unter Berufung auf den stellvertretenden Energieminister Kirill Molodzow berichtete, soll sich die Gesamtzahl dieser Plattformen am Schelf zum Jahr 2030 auf rund 30 verdoppeln.

    „Alleine im Zeitraum bis 2020 sollen die bereits bestehenden und neuen Bohrplattformen rund 100 Erkundungs- und Ausbeutungsprojekte im Rahmen der laufenden Verpflichtungen umsetzen“, sagte der Vizeminister dem Blatt. Derzeit kommen acht stationäre Bohrinseln und sieben Bohrschiffe am russischen Kontinentalschelf zum Einsatz.

    Laut Molodzow bauen russische Werften derzeit Bohrplattformen für die Konzerne Gazprom, Rosneft und Lukoil. Diese nehmen Schelf-Abschnitte in der Arktis, im Fernen Osten und im Kaspischen Meer ins Visier. Wie der Vizechef des russischen Öl- und Gasinstituts, Wassili Bogojawlenski, allerdings erläuterte, sind die meisten Bohrplattformen nicht vollständig aus russischer Produktion. Viele von ihnen wurden beispielsweise zum Teil in Japan und Südkorea gebaut.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Themen:
    Krisenstimmung in Russlands Wirtschaft (146)

    Zum Thema:

    Chodorkowski: Russlands Öl-Abhängigkeit übertrieben – Potential macht optimistisch
    Schieferöl-Boom: USA steigen zum weltgrößten Ölförderer auf
    LUKoil steigert Ölproduktion um sieben Prozent auf 97 Millionen Tonnen
    Russlands Antikrisenplan basiert auf aktuellem Ölpreis
    Tags:
    Erdöl, Schieferöl, Wassili Bogojawlenski, Kirill Molodzow, Gennadi Schmal, Alexej Uljukajew, Russland, Arktis