12:06 09 Dezember 2019
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    Opel-Werk in St. Petersburg (Archivbild)

    GM-Abzug: Opel steigt aus Russland aus

    © Sputnik / Alexei Danichev
    Wirtschaft
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    Der US-Autogigant GM baut seine Präsenz in Russland drastisch ab. Die Marke Opel zieht sich komplett ab. Der Konzern verweist dabei auf rein wirtschaftliche Gründe. Tatsächlich gehen seine Verkäufe am russischen Markt schnell zurück. Doch manche Experten wittern hinter dem Abgang auch politische Motive.

    Ein GM-Sprecher bestätigte der Agentur Ria Novosti, dass das Produktionswerk im Gebiet St. Petersburg Ende Juni stillgelegt werden soll. Im laufenden Jahr wird auch die Produktion in Nischni Nowgorod eingestellt. Das Produktionswerk in Kaliningrad hatte nach eigenen Angaben bereits im März das Fließband gestoppt.

    Jetzt will GM nur noch solche Autos in Russland verkaufen, die im Ausland gebaut wurden. Das Angebot wird dabei deutlich reduziert. Lediglich teurere Marken wie Cadillac sowie Chevrolet Tahoe, Camaro und Corvette bleiben erhältlich. Die preiswerteren Chevrolet- und alle Opel-Modelle verlassen den russischen Markt mit seiner „unklaren langfristigen Perspektive“, wie der Konzern erklärte.

    Konzernchef Dan Ammann erläuterte: „Dass wir unser Geschäftsmodell in Russland ändern, ist Teil unserer globalen Strategie mit dem Ziel, einen langfristigen Erfolg auf den Märkten zu sichern, auf denen wir präsent sind.“ Im Jahr 2014 waren die GM-Verkäufe in Russland um 26,4 Prozent zurückgegangen. In den ersten zwei Monaten 2015 schrumpften sie sogar um 74,6 Prozent. 

    Artjom Dejew, Chefanalyst von AMarkets, sagte im Gespräch mit der Onlinezeitung Gazeta.ru: „Der GM-Abzug ist natürlich ein Schock“. Offenbar sei dieser Abgang nicht kurzfristig, denn die Großkonzerne hätten keinen Glauben mehr daran, dass sich der Automarkt mittelfristig erholen würde, hieß es.

    Oleg Dazkiw, Entwicklungsdirektor des Branchendienstes auto-dealer.ru, kommentierte für die Onlinezeitung: „Im Vergleich zu koreanischen und europäischen Herstellern haben US-Konzerne generell ganz wenig in Russland investiert. Es gab mehr Worte als reale Taten. Die Marktpräsenz nordamerikanischer Marken wie Cadillac war minimal. Mit Opel hatte GM dagegen sehr gute Marktpositionen. Deshalb ist diese Entscheidung eine Überraschung. Würde der Konzern die Cadillac-Produktion völlig einstellen, wäre das logischer gewesen. Auch mit Chevrolet kam es ziemlich überraschend.“

    Dazkiw wittert politische Motive: „Dies ähnelt mehr einer globalen politischen Entscheidung. Es ist ja kein Geheimnis, dass US-Regierungsbeamte mit Geschäftsleuten zusammentreffen und sie über Washingtons Zukunftsvisionen informieren. Der Markt schrumpft zwar ernsthaft, aber nicht so katastrophal, um Produktionswerke zu schließen und zu gehen (…) Man hätte auch bleiben können.“

    Auch die russische Tageszeitung „Kommersant“ kommentierte am Donnerstag: „Manche Experten am Markt sind der Meinung, dass der drastische Schritt von GM einen ‚politischen Hintergrund unter dem Deckmantel der Wirtschaft‘ hat. Gerüchte über eine Schließung des GM-Produktionswerks in St. Petersburg kursierten bereits im Herbst, regionale Beamte erwarteten einen ‚demonstrativen Abgang‘ (…) Doch GM selbst dementierte diese Gerüchte hart bis zum letzten Moment.“

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    Tags:
    Cadillac, Chevrolet Tahoe, Opel, General Motors (GM), Oleg Dazkiw, Artjom Dejew, Dan Ammann, Russland