19:02 20 April 2019
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    Raiffeisenbank plant Ausstieg aus russischem Rentenmarkt

    © Foto : Maciej Goclon
    Wirtschaft
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    Der letzte ausländische Investor auf dem russischen Rentenmarkt, die Raiffeisen Bank International (RBI), bietet den nichtstaatlichen Raiffeisen-Rentenfonds zum Verkauf an.

    Das erfuhr die Zeitung „Wedomosti“ von Top-Managern der drei Finanzgruppen RBI, Otkrytie und BIN sowie von zwei Rentenversicherungsberatern. Offiziell wollte die RBI keine Stellung dazu nehmen.

    „Die Verhandlungen [über den Verkauf des Fonds] laufen“, sagte eine Quelle aus dem Umfeld der RBI. Ihr zufolge liebäugeln das Finanzhaus Otkrytie und die BIN Group mit dem Kauf des Raiffeisen-Rentenfonds. Die beiden Banken erwarben in den vergangenen Jahren im großen Stil nichtstaatliche Rentenfonds. Otkrytie kontrolliert zwei große nichtstaatliche Rentenfonds mit Einlagen in Höhe von 220 Milliarden Rubel (3,5 Milliarden Euro), BIN von 30 Mrd. Rubel (470 Millionen Euro).

    „Wir haben unser Angebot gemacht, aber eine Antwort haben wir noch nicht bekommen“, so ein Top-Manager einer der Banken. „In Bezug auf die Qualität der Aktiva gibt es keine Fragen – der Fonds ist marktwirtschaftlich, der Kundenstamm ist etabliert, wir sind jedoch bei der Frage des Preises ins Stocken geraten“, teilte ein anderer Manager mit.

    Offiziell haben Otkrytie und BIN bislang keine Stellung zum Übernahmeangebot genommen, doch ein Vertreter der BIN Group schloss “den Erwerb weiterer nichtstaatlicher Rentenfonds nicht aus“.

    Der nichtstaatliche Rentenfonds Raiffeisen ist unter den Top 15 der russischen Rentenfonds.

    Ein Vertreter des Raiffeisen-Rentenfonds konnte die Frage, wie viel Geld in den Fonds in diesem Jahr angelegt wird, nicht beantworten. Nach Angaben eines Rentenberaters soll es sich um 12 Milliarden Rubel netto (190 Millionen Euro) handeln.

    Der nichtstaatliche Raiffeisen-Rentenfonds ist der einzige Fonds mit ausländischer Beteiligung auf dem Rentenmarkt.

    Die Raiffeisenbank ist seit 2004 auf dem russischen Rentenmarkt tätig.

    RBI will ihre Geschäfte in Russland und in osteuropäischen Ländern wegen der hohen Risiken und des viel zu niedrigen Gewinns reduzieren. Die Bank wolle ihre Märkte und Geschäftssegmente neu ausrichten und in der ersten Hälfte dieses Jahres eine Entscheidung treffen, sagte der Vorstandsvorsitzende Karl Sevelda im hauseigenen Unternehmensblatt. Zuvor schätzte RBI die möglichen Verluste wegen der Krise in der Ukraine und in Russland auf mehr als 500 Millionen Euro. Um die Kosten zu verringern, schließt Raiffeisenbank sein komplettes Filialnetz im russischen Fernen Osten.
    Raiffeisen kehrt dem russischen Rentenmarkt jedoch wegen der ungewissen Zukunft der Rentenersparnisse und den sich ständig ändernden Vorschriften den Rücken.

    „Die Ausländer sind es nicht gewohnt, so zu arbeiten. Die Regierung hat schon zweimal die Ersparnisbeiträge der Kunden der nichtstaatlichen Rentenfonds eingefroren, in diesem Jahr kam es in der Regierung erneut zu Diskussionen, die private Altersvorsorge ganz abzuschaffen. Damit wird die Möglichkeit genommen, das Geschäft vorauszuplanen“, sagen sie.

    „Es ist unklar, ob die Anlagen der 2014 neu angeworbenen Kunden in die Rentenfonds überwiesen werden können. Hoffentlich bekommen wir sie im ersten Quartal 2015“, sagte das Mitglied des Aufsichtsrats des Raiffeisen-Rentenfonds und Vorsitzender des Komitees für Versicherung und Rentenversorgung der Association of European Businesses, Alexander Lorenz.

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    Tags:
    Rente, Raiffeisenbank, Association of European Businesses, Bin Bank, Bank Otkrytie, Raiffeisen-Rentenfonds, Raiffeisen Bank International (RBI), Russland, Österreich