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    Flüchtlinge protestieren am Brandenburger Tor

    Migranten in Deutschland: Ein Gewinn, der Probleme bereitet

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    Migrationsproblem in Europa (1282)
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    Der soziale und Arbeitswohlstand Deutschlands ist langfristig auf Migranten angewiesen, beweist eine neue Studie. Jedes Jahr brauche es mehr als eine halbe Millionen Zuwanderer. Ein positiver Prozess? Bundeskanzlerin Angela Merkel meint jedenfalls: „Migration ist ein Gewinn für Deutschland“.

    Es sollen jedes Jahr über 500.000 Zuwanderer nach Deutschland kommen, wenn das Land die Zahl der Arbeitskräfte und sein Sozialsystem bis zum Jahr 2050 stabil halten will. Das ergab eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung. Migranten sind aber nicht nur dazu da, um zu arbeiten, warnen Experten. Es muss eine Infrastruktur für sie geben: „Was ich befürchte, ist, dass die Migranten nach Deutschland kommen, um Arbeit zu finden, aber hier nicht bleiben werden. Staatliche Einrichtungen sollen sich deswegen besser auf den Umgang mit verschiedenen Kulturen vorbereiten. Und das ist nicht von heute auf morgen möglich. Das Verständnis der Vielfältigkeit soll in das Alltagsleben integriert werden“, sagt HU-Professor  Dr. Gokce Yurdakul  im Interview mit Marina Piminowa. Deutschland ist Yurdakul  zufolge  in der Migrationspolitik sehr geteilt: es brauche die Migranten zur Integration auf dem Arbeitsmarkt, andererseits gebe es für sie wenig Infrastruktur.

    Dass die Migration in der Tat ein Gewinn für Deutschland sei, sehen die Politiker langsam ein, meint Bernd Mesovic, stellvertretender Geschäftsführer von PRO ASYL. „Ich glaube, man sieht in der Politik so langsam ein, dass die Ressourcen der Flüchtlinge besser nützen sollte, darunter sich mehr um die Anerkennung ihrer Abschlüsse in Deutschland kümmern sollte, mehr Sprachkurse anbieten. Die berufliche Integration ist sehr schwierig, nicht deswegen, weil generell die Jobs fehlen, sondern weil Asylsuchende in die Regionen Deutschlands zwangsverteilt werden“, so Mesovic im Interview für Marina Piminowa. Es sei schade und problematisch, dass Jahre erstmal versäumt werden, bis die Arbeit aufgenommen wird.

    Im Moment bekommt jeder zweite Mensch, über dessen Asylverfahren in Deutschland entscheiden wird, einen positiven Status. Für die Integration müsse, so Mesovic weiter, entsprechend Vorsorge getroffen werden. Das andere Problem seien die Zahlentricks hinsichtlich der Erfolgsmeldungen: „Damit will man nachweisen, dass man den Zustrom aus den Balkanstaaten im Griff hat und ganz schnell die Situation abarbeiten wird. Wir sind da skeptisch, so viele Beamte sind gar nicht verfügbar. Das ist schon eine Art Kraftmeierei in der Politik, wo es manchmal besser wäre, einfach zu sagen, Asylverfahren brauchen eine gewisse Zeit und Ressourcen.“

    Damit die Migration für Deutschland wie für Migranten selbst langfristig zum Gewinn wird, muss vor allem die Willkommenskultur in Deutschland intensiver entwickelt werden, sagt Dr. Gokce Yurdakul. Deutschland erlebe momentan einen sehr wichtigen Zeitpunkt, es werden noch mehr Migranten nach Deutschland kommen und der Staat muss sich darauf auch vorbereiten.

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    Migranten, PRO ASYL, Bernd Mesovic, Gokce Yurdakul, Deutschland