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    Euro-Dollar-Parität verschoben?

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    Der Abwertungsdruck auf den Euro hat in den ersten Apriltagen abgenommen. Ob die Tendenz in Richtung der Euro-Dollar-Parität erhalten bleibt und Deutschland nutzt, analysiert Prof. Dr. Christian Dreger, Leiter der Konjunkturabteilung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.

    „Für Deutschland schadet es nicht“, meint der DIW-Ökonom in einem Interview mit Nikolaj Jolkin. „Die Importe werden teurer, weil sie in Dollar fakturiert sind. Also wird die Deflation abgebremst. Das ist ein Effekt, den man eigentlich haben will, denn die EZB strebt gerade keine Deflation an, sondern eine Inflationsrate von zwei Prozent. Das wird für Deutschland günstig. Exporte werden erleichtert, weil die preisliche Wettbewerbsfähigkeit steigt. Ich hätte gesagt, man sollte diesen Effekt nicht überstrapazieren, denn für Deutschland ist er wahrscheinlich schwächer als für andere Länder, weil es diesen hohen Investitionsgüteranteil gibt.“

    Vieles werde davon abhängen, meint Christian Dreger, wie andere Länder auf die Politik reagieren. Beispielsweise sei China ein wesentlicher Wachstumsmarkt für deutsche Exporte. Es habe in den letzten Monaten deutliche preisliche Nachteile gehabt. „Was passiert“, setzt er fort, „wenn der Renminbi abwertet. Das hat China noch nicht gemacht, aber es könnte passieren. Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Exporte hat sich deutlich verschlechtert. In China wird die Wirtschaft zu einem konsumorientierten Modell umgebaut. Das ist nicht leicht, so dass man durchaus auch Probleme erwarten kann. Und wenn dann noch dazukommt, dass die chinesischen Exporte sich nicht mehr so gut entwickeln wie vorher, dann könnte es sein, dass China auch abwertet. Und dann werden deutsche Exporte nach China natürlich auch wieder teurer.“

    Der Experte nimmt auch ein anderes Beispiel — die Konjunktur der USA, die jetzt nach seiner Meinung auch schwächelt. „Die USA könnten natürlich auch auf die Idee kommen“, meint der DIW-Ökonom, „eine bessere konjunkturelle Entwicklung zu erreichen, indem man die Exporte stimuliert. Das setzt natürlich auch voraus, dass der Dollar nicht da bleibt, wo er ist, sondern dass aus amerikanischer Sicht eher eine Abwertung angedacht ist. Man darf natürlich nicht vergessen, dass wir im Moment eine relativ gute Konjunktur im Euroraum haben, die aber dadurch überhöht ist, dass die Ölpreise so stark gefallen sind, und dass der Wechselkurs des Euro abgewertet wurde. Das sind zwei Effekte, die aber nur temporär sind: Der Wechselkurs des Euro kann nicht immer weiter abwerten. Irgendwann ist eine Marke erreicht, da geht’s nicht weiter runter. Die Ölpreise fallen dann auch, aber irgendwann ist auch die untere Grenze erreicht. Und mir fällt kein Argument ein, warum sie wieder anziehen sollten. Eher bleiben sie unten, und da gibt es viele Gründe. Wenn Sie es von der Nachfrage-Seite her argumentieren, dann ist es so, dass die Konjunktur in Industrieländern nicht sehr stark ist. Und die Erholung ist relativ schwach, insbesondere in den USA.“

    Christian Dreger macht darauf aufmerksam, dass die großen Schwellenländer tendenziell langsamer wachsen. Zwar wachse Indien jetzt wieder, China aber wachse langsamer. Von Russland wollte er gar nicht reden. Auch Brasilien habe seine Probleme. Das gehöre dann dazu, dass sie eigentlich eine eher schwache Nachfrage nach Öl haben. Auf der anderen Seite sieht der Experte auch Angebotseffekte: Die Weigerung der OPEC-Staaten, die Fördermengen zu begrenzen. Das sorge dann auch für den Preisverfall, meint er. Dann sind da auch die neuen Technologien wie das Fracking in den USA. Es treten Anbieter auf, die früher nicht da waren. Sie vergrößern das Angebot. Und das hat dann auch den Preis nach unten gedrückt. „Von daher haben wir eigentlich lauter Faktoren, die für noch niedrigere Ölpreise sprechen. Jedenfalls ist es kein Szenario, wo man jetzt schließen könnte, dass die Ölpreise schnell wieder steigen werden“, schlussfolgert Prof. Dr. Christian Dreger vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin.

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    Tags:
    Dollar, Euro, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Europäische Zentralbank (EZB), Christian Dreger, Deutschland, USA, China