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20:58 18 Oktober 2019
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    Deutschland reduziert Handelsüberschuss durch Lohnerhöhungen

    Deutschland reduziert Handelsüberschuss durch Lohnerhöhungen - Presse

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    Wirtschaft
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    Das exportorientierte Wirtschaftsmodell Deutschlands war lange Zeit Gegenstand der Kritik von Wirtschaftsexperten, denen zufolge das Land seine Wirtschaft dank der Ausfuhr entwickelt, auf Kosten von Nachbarn durchkommt und dabei die Folgen der Schuldenkrise noch mehr verschärft.

    Deutschland, das beim Bruttoinlandsprodukt auf Platz eins in Europa und auf Platz vier weltweit liegt, verzeichnet jetzt eine verstärkte innere Nachfrage vor dem Hintergrund der nahezu rekordhohen Arbeitslosigkeit und steigender Löhne, wie die russische Tageszeitung „Wedomosti“ am Dienstag unter Berufung auf The Wall Street Journal schreibt.

    Die Lohnerhöhungen werden höchstwahrscheinlich die Konsumausgaben antreiben und eine Importsteigerung ankurbeln, was eine Reduzierung des Handelsbilanzüberschusses bewirken und dem Euroraum und der Weltwirtschaft zugute kommen soll.

    Mit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes von 8,5 Euro pro Stunde werden die Löhne in Deutschland laut dem Uni-Credit-Experten  Andreas Rees in diesem Jahr offensichtlich um 3,5 Prozent angehoben. Dabei ist die Inflation in Deutschland nahe Null, was nicht nur einen nominalen, sondern auch einen realen Anstieg der Einkommen der Bevölkerung sichern soll.

    Die deutsche Wirtschaft hat jetzt einen Fünf-Prozent-Anteil am Welt-BIP. Wenn es aber gelingt, Deutschland in eine wichtige Nachfragequelle und einen Absatzmarkt für andere Länder zu verwandeln, wird auch der Wiederaufbau der gesamten Weltwirtschaft schneller gehen. „In einer langsam wachsenden Welt, die eine zu geringe Nachfrage aufweist, ist Deutschlands Handelsbilanzüberschuss ein Problem“, schrieb Ben Bernanke, ehemaliger Chef der US-Notenbank, in seinem Blog. Deutschland hat im Jahr 2014 einen rekordhohen Außenhandelsüberschuss von 217 Milliarden Euro bzw. 7,5 Prozent des BIP registriert.

    Wirtschaftliche Wandlungen in Deutschland würden den Ländern des Euroraums den Ton angeben und höhere Nachfragewerte könnten dem Export aus Frankreich, den Niederlanden, Spanien und anderen Ländern förderlich sein. Wenn Deutschland den Mechanismus des „Umschwungs“ in Gang bringt, werden alle davon profitieren.

    Analysten machen jedoch darauf aufmerksam, dass eine solche Strategie Risiken in sich birgt, denn höhere Löhne für die Arbeitskräfte könnten die Konkurrenzfähigkeit des Landes schwächen. Die Deutschen sind zufrieden mit ihrer Wirtschaft, die auf dem Export, Spargeldern und einer ausbilanzierten Steuerpolitik basiert. Und sie wollen laut Simon Tilford, Vizechef des Zentrums für Europäische Reformen in London, höchstwahrscheinlich nicht zu einer Verschwendernation werden.

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    Tags:
    Löhne, Zentrum für Europäische Reformen in London, US-Notenbank Federal Reserve (Fed), Simon Tilford, Ben Bernanke, Deutschland