10:24 02 Juni 2020
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    Die Ölpreise sind am Freitag gefallen. Händler sprachen von einer Gegenbewegung auf die deutlichen Gewinne in dieser Woche. Trotzdem pumpt die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) deutlich mehr Rohöl als nachgefragt in den Markt, wie aus ihrem am Donnerstag in Wien veröffentlichten Monatsbericht zu entnehmen ist.

    Wenn man den Experten Glauben schenken darf, gibt es zurzeit auf dem Weltmarkt Erdöl im Überfluss. Das hat nicht nur mit den Folgen der finanzpolitischen Krise zu tun, die die produzierenden Wirtschaftszweige schrumpfen ließ und die Konjunktur in vielen Ländern beeinträchtigt hat. Ein zusätzlicher Grund ist die in Europa umstrittene Fördermethode Fracking, die in den USA zum Renner wurde und sie zum größten Ölproduzenten der Welt machte. Laut der US-Energieagentur EIA könnten die Ölpreise im kommenden Jahr um 15 Dollar je Barrel weiter fallen, sollten die Wirtschaftssanktionen gegen den Iran im Zuge eines Abkommens zur Beendigung des Atomstreits aufgehoben werden.

    In der OPEC selbst hüllt man sich aktuell überwiegend in Schweigen und beobachtet die neuesten brisanten politischen Ereignisse jetzt auch in Jemen sehr aufmerksam. Allerdings ist bekannt, dass in den OPEC-Ländern in der letzten Zeit etwas mehr Öl gefördert wird, als es die Nachfrage auf dem Weltmarkt verlangt. Anfang Juni dieses Jahres werden die Öl- und Energieminister der OPEC-Länder in Wien bei ihrem turnusmäßigen Treffen wieder über die künftigen Fördermengen entscheiden. Das Ölkartell ist mindestens seit einem halben Jahr so gespalten wie nie zuvor in seiner Geschichte. So blockierte Saudi-Arabien beim letzten Ministertreffen die von einigen Mitgliedsländern wie Venezuela und Iran geforderte Drosselung der Förderung, um die Preise wieder nach oben zu bringen. Die Saudis gingen darauf nicht ein, angeblich um nicht ihre weltweiten Marktanteile zu verlieren. Manche Beobachter neigen zu dem Schluss, dass hinter dem Verhalten der Saudis die USA stecken. Wenn der Iran tatsächlich auf den Weltmarkt zurückkehrt, dann kann es durchaus passieren, dass die von den Produzentenländern erwartete Erholung des Ölpreises ausfällt oder sich zumindest beträchtlich verzögert. Aber es gibt auch andere Szenarien, die nicht ausgeschlossen werden können.

    „Wenn der Iran auch wieder zugelassen ist als Öllieferant“, sagte im Interview mit Igor Belov der Geopolitiker Herbert Martin, „dann wird sicher noch eine größere Menge an Öl und Gas einfach auf dem Weltmarkt zur Verfügung stehen, was die Preise wieder drücken wird. Auf der anderen Seite, wenn die geopolitische Situation eskaliert, dass die Straße von Hormuz und vielleicht auch der Zugang zum Roten Meer blockiert wird, dann schnellen die Preise ganz gewaltig in die Höhe.“

    Es gab auch Meldungen, dass Russland beim Iran große Mengen Erdöl kaufen könnte und als Gegenleistung Getreide, Industrieerzeugnisse und auch defensive Militärtechnik liefern würde. Auf diese Weise könnte man vielleicht den aktuellen Erdölpreis halten und nicht weiter abrutschen lassen.

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    Tags:
    Fracking, Erdöl, OPEC, USA, Saudi-Arabien