13:09 24 Oktober 2020
SNA Radio
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    0 1275
    Abonnieren

    60 bis 100 Milliarden Euro müssten extern in die Ukraine gepumpt werden, um das Land vor dem Staatsbankrott zu retten, so Gunter Deuber, Leiter der volkswirtschaftlichen Osteuropa-Analyse bei der Raiffeisen Bank International. Dieses Geldinstitut gehört zu den größten Auslandsbanken, die in der Ukraine aktiv sind.

    Wie der Experte sagte, macht dabei der Russlandhandel immer noch etwa 20 Prozent des ukrainischen Auslandshandels aus. „Russland ist immer noch  der wichtigste Wirtschaftspartner der Ukraine, und eine völlige Isolation gibt es sowieso nicht von Russland.“ Eine Vertiefung dieser Wirtschaftsbeziehungen wäre für Kiew sehr wichtig. „Dann wäre es auch denkbar oder möglich, dass sich Russland am finanziellen Wiederaufbau oder auch an der Sanierung der Ukraine beteiligt. Was unseres Erachtens sehr wichtig wäre und ist gerade auch ein Thema der aktuellen Umschuldung der Staatsschulden der Ukraine.“ 

    „Diese 60 bis 100 Milliarden sind eine Gesamtsumme, die öffentliche Gelder, aber auch substanzielle privatwirtschaftliche Investitionen beinhaltet“, erläuterte Deuber. „Grob zur Hälfte sind es Gelder des öffentlichen Sektors, sprich langfristige EU-Finanzierungen, Co-Finanzierungen, und der Rest wären privatwirtschaftliche Investitionen, die notwendig sind. Und hier wird es natürlich auch noch sehr viele Hürden zu überwinden geben, denn aktuell ist die internationale Bereitschaft, die Bereitschaft westeuropäischer Firmen in die Ukraine zu investieren, in substantiellen Summen, sehr gering.“

    Einen eventuellen Wettbewerbsvorteil für die Ukraine im Vergleich zu den sehr wettbewerbsstarken Nachbarn wie die Slowakei, Polen oder Ungarn könnte in einem speziellen Wirtschaftsformat bestehen, das weiterhin einen Zugang zum russischen Markt ermöglichen würde, meinte er.

    In der ostukrainischen Region Donezk werden Pensionen und Gehälter mittlerweile in Rubel ausgezahlt. Auch in den Läden kann man mit Rubel zahlen. Die Ursache dafür ist eine Wirtschaftsblockade von Seiten der Ukraine.

    „Natürlich sieht es im Moment so aus, als wären diese ostukrainischen Regionen immer mehr auf einem Pfad, sich wirklich de facto abzuspalten“, konstatierte der Finanzexperte. „Hier muss man sagen, dass es auch an der ukrainischen Regierung liegen wird, die Einheit des Landes zu bewahren. Wobei nicht alle Schritte der ukrainischen Regierung hier auch in Westeuropa gutgeheißen werden und man teilweise die Schritte auch als zu radikal ansieht. Wobei schlussendlich auch in einem ökonomischen Kalkül hier zu hinterfragen ist, ob eine Stabilisierung oder Modernisierung der Ukraine nicht vielleicht einfacher gelingen könnte ohne die Regionen, die sich sowieso schon de facto immer mehr abnabeln oder abgenabelt werden.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Schwacher Rubel und Sanktionen hauchen russischer Industrie neues Leben ein - FT
    Merkel und IWF-Chefin Lagarde vereinbaren Finanzhilfe für Ukraine
    USA verdoppeln Finanzhilfe für ukrainische Verteidigungsbranche auf 18 Mio. Dollar
    George Soros: Finanzhilfe für Ukraine wichtiger als Russland-Sanktionen