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08:38 14 Oktober 2019
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    Zenit-Rakete von Juschmasch

    Ukrainische Industrie in Not: „Europa braucht uns nicht“

    © Sputnik / Oleg Urusov
    Wirtschaft
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    Die ukrainische Raketenbau-Branche steht praktisch vor dem Aus, wie ihr führendes Unternehmen warnt. Auch weitere Industriezweige im Land haben schwere Probleme, denn die Exporte nach Russland schrumpfen und die Chancen für die Erschließung des europäischen Marktes sind gering. Das bestätigen auch westliche Experten.

    Der im ukrainischen Dnipropetrowsk ansässige Hersteller Juschmasch stellt fest: Da der bisherige Export nach Russland ausfällt, braucht das Unternehmen dringend Aufträge vom ukrainischen Staat – sonst bricht die Raketenbau-Branche zusammen.

    „Das Staat muss ehrlich und publik sagen, ob die Ukraine Weltraum-, Militär- und Dual-Use-Raketen braucht oder nicht (…) Ist die Entscheidung positiv, muss das Unternehmen unverzüglich mit staatlichen Aufträgen für Raketen versorgt werden. Ist die Entscheidung negativ, muss der Staat den Abbau der Produktionskapazitäten in Sachen Raketenbau billigen“, hieß es in einem offenen Brief der Belegschaft des Unternehmens an die ukrainische Staatsführung.

    Seit 2014 stünden die Kapazitäten des Herstellers zu 40 Prozent notgedrungen still. Greife der Staat nun nicht ein, um das Problem zu lösen, könne dies nicht nur die Raketenbranche ruinieren, sondern auch eine soziale Destabilisierung provozieren, mahnten die Autoren des Briefes.

    Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos hatte zuvor angekündigt, sie wolle auf die von Juschmasch gebauten Zenit-Raketen verzichten. Stattdessen komme die neue russische Rakete Angara künftig zum Einsatz, hieß es.

    Auch generell fällt es der ukrainischen Industrie schwer, eine Alternative zur Kooperation mit Russland zu finden. Das „Wall Street Journal“ schreibt in einem Artikel: „Die prowestliche Regierung in Kiew hat ein Assoziierungsabkommen mit der EU unterzeichnet, milliardenschwere Kredite und weitere westliche Hilfen ausgehandelt sowie ein Gesetz verabschiedet, das die sowjetische Symbolik verbietet. Doch die Umorientierung der ukrainischen Wirtschaft in Richtung Westen erwies sich als deutlich schwieriger. Die noch in der Sowjetzeit gegründete Schwerindustrie ist meistens auf Russland orientiert. Es fällt ihr schwer, in Europa konkurrenzfähig zu sein.“

    Wegen des Konfliktes im Osten der Ukraine ist der Export nach Russland nach Angaben der ukrainischen Statistikbehörde im ersten Quartal 2015 um 61,3 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahrs geschrumpft, die Industrieproduktion um mehr als 20 Prozent zurückgegangen. Wie das „Wall Street Journal“ schreibt, sind die Betriebe im Konfliktgebiet am schwersten betroffen; aber auch Unternehmen, die weit entfernt von Russland liegen, können keine Kunden in der EU finden.

    Das Magazin zitiert den Geschäftsführer des in Berdytschiw ansässigen Maschinenbauwerkes Progress, Igor Schtschesnjak, mit den Worten, die Zahl der Aufträge aus Russland sei seit zwei Jahren um zwei Drittel geschrumpft. Trotzdem mache ihr Anteil rund die Hälfte aller Verkäufe aus, denn die Nachfrage in der Ukraine gehe ebenfalls zurück. Die Exporte nach Europa und Amerika seien gering. „Europa wartet nicht auf uns. Dort braucht man uns nicht. Zwar versuchen wir, auf den europäischen Markt zu gelangen, doch unser Anteil ist nach wie vor sehr gering“, so Schtschesnjak.

    Wie das Magazin weiter schreibt, haben auch ukrainische Rohr- und Eisenbahnwagen-Hersteller ernsthafte Probleme. Das größte ukrainische Hüttenwerk, das ArcelorMittal gehört, musste seine Lieferungen nach Russland praktisch stoppen und sucht nun nach neuen Kunden im Nahen Osten und in Nordafrika.

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    Tags:
    Industrie, Zenit-Rakete, Juschmasch, Roskosmos, EU, Ukraine