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22:38 12 November 2019
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    Griechenlands Schuldenkrise

    Athens Reparationsforderungen realitätsfremd – Deutscher Historiker

    © REUTERS / Alkis Konstantinidis
    Wirtschaft
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    Es ist schon chronische Krankheit der Griechen geworden, nach neuen Geldgebern zu suchen, meint Heinz A. Richter über die Schuldenkrise. Dabei ist in Griechenland trotz vieler Regierungsversprechen noch nichts geschehen.

    „Der Fall ist nicht erledigt!“ – mit solchen Aufrufen kämpft Griechenland um das Reparationsgeld, das Deutschland als Entschädigung für die Naziverbrechen zahlen soll. Dahinter stehe nur der panische Versuch, doch irgendwoher Geld zu bekommen, meint Historiker Heinz A. Richter. „Reparationen waren immer ein Thema der griechischen Innenpolitik, auch in den letzten Jahren wurden sie nie ein Thema der Außenpolitik.

    Aber jetzt versucht man in dieser absoluten Not, in der der verschuldete Staat ist, doch irgendwoher Geld zu bekommen. Da kam man auf die Idee, die Reparationsfrage ins Spiel zu bringen. Die Zahlen sind astronomisch und haben mit der Realität so gut wie nichts zu tun“, sagte der deutsche Historiker im Interview für Marina Piminowa.

    Lange Geschichte der Reparationen

    Die Stimmen, die Reparationen verlangten, wurden vor allem mit dem deutschen Wirtschaftswunder wieder laut, so der Historiker weiter. Bundeskanzler Konrad Adenauer sagte damals, Deutschland könne nicht wieder aufrüsten und Reparationen zahlen. „Die Amerikaner wollten wieder aufrüsten und drückten darauf, dass alle westeuropäischen Staaten das Londoner Schuldenabkommen mit Deutschland abschlossen“, sagt Richter.

    Zwei Staaten bekamen dennoch die Reparationen, Jugoslawien und Griechenland, damals 200 Millionen D-Mark. In beiden Fällen wurden die Zahlungen nicht Reparationen, sondern Investitionskredite genannt. „Damit war klar, es würde nie zurückgezahlt werden, es war also Reparation“, so der Experte. Dann erhob Griechenland weitere Forderung nach Entschädigung für Naziverbrechen, es gab weitere 115 Millionen in Cash, in vier Raten ausgezahlt. Die lange Geschichte der Reparationszahlungen schien mit dem nach der Wiedervereinigung unterschriebenen Zusatzprotokoll erledigt zu sein.

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    © AP Photo / Petros Giannakouris
    Dass Griechenland immer wieder nach neuen Geldgebern sucht, sei Richter zufolge „eine chronische Krankheit“. Nach griechischem Verständnis sei Europa verpflichtet zu bezahlen, weil die Griechen das Wort Ökonomie und Demokratie erfunden sowie die Akropolis gebaut haben. Wobei die Regierung das schon erhaltene Geld nicht habe umsetzen können. „In Griechenland ist nichts geschehen, die neue Regierung macht nichts. Nicht ein Versprechen wurde bisher eingelöst. Die europäischen Steuerzahler müssen diese Schulden begleichen“, sagt der Historiker.

    Als stärkste Wirtschaftsmacht in der EU ist Deutschland somit in keiner einfachen Situation angesichts der Schuldenkrise. Vor Alleingängen sei jedoch zu warnen, meint Heinz Richter: „Deutschland muss sich so verhalten wie Europa,  solidarisch mit allen andren europäischen Staaten.“

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    Tags:
    Schulden, EU, Heinz Richter, Jugoslawien, Deutschland, Athen, Griechenland