11:09 10 Dezember 2019
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    Finanzexperte: US-Firmen umgehen Russland-Sanktionen - Europäer müssen bluten

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    Als „sehr irritierend“ hat Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, die Tatsache bewertet, dass der amerikanisch-russische Warenaustausch in dem seit der Verhängung der Sanktionen verstrichenen Jahr um knapp sechs Prozent angestiegen ist, während der EU-Handel mit Russland um rund zehn Prozent schrumpfte.

    "Wir haben schon im letzten Jahr die Entwicklung wahrgenommen, dass es hier offensichtlich zu vollkommen divergenten Entwicklungen der Sanktionspolitik einmal auf die EU und einmal auf die USA kommt“, sagte er in einem Gespräch mit Bolle Selke. „Ich sehe darin einmal mehr einen Beleg dafür, dass die USA sehr gut drin sind, Regeln aufzustellen, aber nicht notwendigerweise genauso gut darin sind, sich auch an Regeln zu halten. Das wissen wir auch aus früheren Sanktionspolitiken heraus, wo die USA derartige Sanktionen umgangen haben, und das ging regelmäßig zu Lasten konkurrierender Länder auf diesen Märkten. Insofern macht es mich sehr skeptisch bezüglich der Politikumsetzung die wir in der EU in der Sanktionspolitik schlussendlich haben. Das sollte ein Warnschuss an die Politik in Brüssel, in Berlin, in Paris, in Wien, in Helsinki sein, um einmal zu eruieren, was der Hintergrund ist und vielleicht auch den Hintergrund zu erfragen.“

    "Ich habe letztes Jahr im März in einem Interview gesagt, dass wir in Europa, in Deutschland die Rechnung dieser Politik bezahlen werden, und genau das ist passiert“, betonte der Analyst.  „Wir sehen, dass die Länder, die ein starkes Exposure in Exporten Richtung Osteuropa, Richtung Russland haben, konjunkturell unter die Räder gekommen sind. Das gilt gerade für kleinere Länder, das ist Finnland, das ist aber auch Österreich als Beispiel. Wir sehen auch, dass in Deutschland die Folgen markant sind. Wir hatten eingebrochene Exporte im letzten Jahr um 18 Prozent und in den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres um 34 Prozent. Der deutsche Maschinenbau hatte im ersten Quartal einen Rückgang der Exporte um 28 Prozent zu verzeichnen. Das heißt, wir verlieren hier erhebliches Geschäft.“

    Auch rein politisch sei die Sanktionspolitisch eher fraglich, meint Hellmayer. „Es gibt aus der Historie von Sanktionen einen ganz klaren Beleg dafür, dass Sanktionen grundsätzlich nicht zu den angestrebten Zielen führen. Insofern halte ich diese Sanktionspolitik für vollkommen fehlgeleitet.  Fehlgeleitet auch aus dem Grunde, weil die Grundlagen für die Sanktionen immer wieder Anschuldigungen waren, die dann im späteren Verlauf nicht notwendigerweise verifiziert worden sind."

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    Sanktionen, EU, Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer, USA, Russland