17:05 21 November 2019
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    Geldwäsche-Verdacht bei Deutscher Bank: Auswirkungen auf Russland-Geschäft?

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    Wirtschaft
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    Die Geldwäschegesetze in Europa werden schärfer. Seit der Einführung der Sanktionen gegen Russland legen westliche Banken außerdem mehr Wert darauf, die Einhaltung ihrer internen Regeln bei Geschäften mit Russen zu kontrollieren. Das sagen Experten mit Blick auf den Geldwäsche-Verdacht gegen Mitarbeiter der Deutschen Bank in Moskau.

    Während der Führungswechsel bei der Deutschen Bank international für Aufsehen sorgt (anstelle von Jürgen Fitschen und Anshu Jain soll nun John Cryan das Geldhaus leiten), kommentieren Medien in Russland weiter den Geldwäsche-Verdacht gegen Mitarbeiter der Bank in Moskau.

    Anton Soroko, Analyst der russischen Brokerfirma Finam, sagte der Onlinezeitung gazeta.ru, der derzeitige Skandal mit der Deutschen Bank in Russland sei eigentlich nichts Außerordentliches. Es komme regelmäßig zu solchen Problemen bei verschiedenen Geldhäusern: „Es gibt sehr wenig Mitarbeiter, die sowohl zur Liquidität der Banken als auch zu deren Operationen an internationalen Märkten Zugang haben. Diese Mitarbeiter sind ständig zu einer Gratwanderung gezwungen. Es ist nicht immer leicht, die Grenze zu ziehen, wo du noch für die Bank und schon für dich selbst arbeitest.“

    Im Mai hatte manager-magazin.de berichtet, dass Mitarbeiter der Deutschen Bank in Moskau im Verdacht stehen, Gelder aus zweifelhaften Quellen für Kunden gewaschen zu haben. Die Bank teilte damals mit, eine Gruppe von Händlern in Moskau sei beurlaubt worden, bis die interne Untersuchung abgeschlossen sei. Im Juni berichtete dann die Agentur Bloomberg, russische Kunden der Bank hätten möglicherweise rund sechs Milliarden US-Dollar auf diese Weise gewaschen. Sie hätten über das Geldhaus Aktien in Rubel gekauft, die es ihnen in London in Dollar wieder abkaufte, so der Bericht.

    Ein nicht namentlich genannter Mitarbeiter einer russischen Investmentfirma kommentierte nun für gazeta.ru, in Europa verschärfe man seit zwei oder drei Jahren ständig die Gesetze gegen Geldwäsche. Möglicherweise habe die Deutsche Bank die Grenze überschritten. Vermutlich werde sie nun eine Strafe zahlen müssen, das Russland-Geschäft könne schrumpfen. Ein Abzug aus Russland sei jedoch wenig wahrscheinlich, denn das hiesige Geschäft sei trotz der zunehmenden Risiken lukrativ, hieß es.

    Alexej Gussew, Experte der russischen Beratungsfirma IFP, sagte der Tageszeitung „Kommersant“: „Der Trend zur Compliance-Verschärfung in westlichen Banken mit Blick auf Geschäfte russischer Unternehmen hat seit der Einführung der Sanktionen begonnen und nimmt weiter zu. Detaillierte Prüfungen und Forderungen nach zusätzlichen Dokumenten bremsen die Abwicklung von Transaktionen. Viele russische Unternehmen greifen wirklich zu Geschäften außerhalb der Börsen, um den Moment nicht zu verpassen und unter anderem am Wechselkurs etwas zu verdienen.“

    Die interne Regeltreue westlicher Banken sei scharf. Es sei vor diesem Hintergrund nicht auszuschließen, dass die Deutsche Bank beschlossen habe, ihre Filiale in Moskau erneut zu überprüfen – zumal die Ausgaben für Personal in russischen Regeltreue-Abteilungen westlicher Banken zunähmen, so Gussew.

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    Tags:
    Beratungsfirma IFP, Bloomberg, Deutsche Bank, Alexej Gussew, Anton Soroko, John Cryan, Anshu Jain, Jürgen Fitschen, Russland, Deutschland