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    Gaskontrakt

    SPIEF: Mililardenschweres Gasgeschäft trotz Sanktionen

    © Sputnik / Ruslan Krivobok
    Wirtschaft
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    Petersburger Wirtschaftsforum 2015 (26)
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    Bereits am ersten Tag des Petersburger Internationalen Wirtschaftsforums haben der russische Gaskonzern Gazprom, sein deutscher Partner E.ON sowie Shell und OMV ein „Memorandum of Understanding“ über eine neue direkte Gasleitung von Russland durch die Ostsee nach Deutschland unterzeichnet.

    Im vorigen Jahr wurde das Forum von der Ukraine-Krise überschattet. Viele wichtige Business-Vertreter verzichteten aus politischen Gründen auf ihre Teilnahme. „In diesem Jahr ist es ganz anders“, meinte Alexander Rahr, Politologe und Autor des Buches „Russland gibt Gas: die Rückkehr einer Weltmacht“ im Interview mit Nikolaj Jolkin. „Die Energieversorgung bleibt weiterhin ein wichtiges Thema in den Beziehungen zwischen Europa und Russland. Trotz der Ukraine-Krise ist klar, dass man nicht auf russische Gaslieferungen, die vor der Tür Europas liegen, verzichten kann, nicht so wie die LNG-Lieferungen (Liquefied Natural Gas), die über —zig tausend von Kilometern gebracht werden müssen. Große Gasmengen können aus Russland sofort nach Europa gebracht werden.“

    Der Russland-Experte erinnert an erhebliche Krisen in der Energieversorgung 2006 und 2009 infolge von Problemen mit dem ukrainischen Gastransit. Damals gab es noch keine Nord Stream-Pipeline, die heute aus zwei, 2010 und 2012 gelegten Strängen besteht. Durch diese Stränge kommen 55 Milliarden Kubikmeter Gas nach Europa. Wenn jetzt der dritte und vierte Strang mit geplanten weiteren 55 Milliarden Kubikmeter Gas parallel zu den beiden Nord Stream-Pipelinesträngen gelegt werden, dann werden über 100 Milliarden Kubikmeter Gas auf diesem Wege nach Europa kommen. „Das ist für die Energieversorgungsicherheit Europas vor allen Dingen in den Zeiten wichtig, wo in Europa selbst aufgrund des Rückgangs der Ressourcen weniger Gas gefördert wird“, meint Rahr, der das Memorandum als einen großen Erfolg bewertet.

    Der Experte glaubt nicht, dass dem Projekt das Schicksal der South Stream-Pipeline beschieden sein wird, die am dritten EU-Energiepaket scheiterte. Die „Nord Stream 2“ brauche sich heutzutage keiner Limitierung durch die Liberalisierungsgesetzgebung zu unterstellen, weil die Pipeline übers Meer und nicht über das Festland laufe. Das Gas werde an die Grenze zu Deutschland gebracht und von dort nicht über die russische Pipeline weitergepumpt, sodass hier alles rechtlich auch mit dem Liberalisierungspaket der EU im Einklang stehe.

    Auch von den jetzigen Sanktionen werde das neue Projekt nicht betroffen, ist sich Alexander Rahr sicher. „Sie werden zwar verlängert, aber nicht verschärft und in keiner Weise auf den Gassektor übertragen. Damit würde sich die EU beträchtlich ins eigene Fleisch schneiden, weil die Beziehungen zum russischen Gaspartner sehr wichtig sind. Das ist auch das Thema auf dem Petersburger Wirtschaftsforum, dass sowohl westliche als auch russische Unternehmer es gelernt haben, in diesen Sanktionsmechanismen zu arbeiten.“

    „Die Zeiten sind nicht mehr so rosig wie früher, aber nichts desto trotz findet die Wirtschaft immer zueinander. Man ist nüchterner und pragmatischer geworden und sieht jetzt wieder, wie man zueinander kommt. Und das passiert gerade auf dem Petersburger Wirtschaftsforum“, betonte der Politologe.

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    Tags:
    Energieversorgung, SPIEF, Gaslieferung, Sanktionen, South Stream, Nord Stream, Shell, Gazprom, OMV, E.ON, Alexander Rahr, Deutschland, Russland, Europa, Ostsee