01:01 19 September 2020
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    Eine Lösung des Schuldenproblems Griechenlands ist nach Ansicht von Folker Hellmeyer, Chefökonom der Bremer Landesbank, in dieser Woche zwar möglich, ein Grexit wäre aber langfristig die bessere Variante für die Zukunft der EU.

    "Es gibt begründete Hoffnung auf eine Lösung in dieser Woche“, sagte er in einem Interview von Bolle Selke. „Die Wahrscheinlichkeit einer Lösung ist derzeit mit 75 Prozent zu veranschlagen."

    Das Problem bestehe allerdings darin, dass dieses Thema mittelfristig wieder auftaucht, wenn Griechenland jetzt weiter in der Euro-Zone belassen wird, so der Experte. „Damit sind die ultimativen Kosten gar nicht zu berechnen. Fakt ist, dass bisher insbesondere diese griechische Regierung im Hinblick auf den Willen zu nachhaltiger Reformpolitik viel zu wünschen übrig lässt.“

    „Auf den Punkt gebracht bin ich der Meinung, dass ein Grexit bei Reformunwilligkeit zwar teuer, aber überschaubar ist und die bessere Lösung wäre“, betonte Hellmeyer.

    „Sofern sich Griechenland in der Tat dem Reformprozess nachhaltig annähert, besteht die Chance, dass der Kostenpunkt für die Gläubiger weitaus niedriger liegt. Persönlich favorisiere ich jedoch einen Grexit aus zweierlei Gründen. Erstens aus Respekt vor den Reformleistungen der anderen Reformländer und zweitens bedeuten die Kompromisse, die wir jetzt eingehen, eine partielle Schleifung des Fiskalpakts."  

    "Ein Wirtschaftsraum wie die Eurozone und deren politische Eliten sollten sich nicht am Nasenring vorführen lassen“, äußerte er. Die Eurozone und die EU wären nur dann attraktiv, wenn sie als ein auf Stärke basierender Eliteclub angesehen würden. „Wenn wir es aber immer durch weitere Erweiterungen mit Kandidaten, die dort nicht reinpassen, verwässern, dann spielen wir in der Tat mit der Glaubwürdigkeit der EU, der Eurozone sowohl nach innen als auch nach außen."

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    Tags:
    Grexit, Bremer Landesbank, Eurozone, EU, Folker Hellmeyer, Griechenland