13:25 28 Oktober 2020
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    Die von Alexis Tsipras angezettelte Revolution gegen Merkels Budget-Tyrannei und der Grexit werden ein Loch in die eiserne Panzerung der Bundeskanzlerin schlagen. Es besteht die Gefahr, dass Angela Merkel als Zerstörerin des Projektes EU in die Geschichte eingeht, schreibt die Washington Post.

    Die Befürworter von Angela Merkels Krisenpolitik sind sich jedoch einig, dass der griechische Premierminister Alexis Tsipras  für den  Staatsbankrott verantwortlich sei. Er habe in den Verhandlungen von Anfang an eine feindselige Haltung gegenüber den Gläubigern eingenommen und sei "in die Offensive gegangen", berichtet die Zeitung unter Berufung auf die heute am meisten vertretene Meinung der europäischen Spitzenpolitiker.

    Zipras behaupte, dass ein Zusammenwirken der europäischen Länder eine „Revolution gegen Merkels Budget-Tyrannei“, von Lissabon und Rom, nach Paris und Dublin entfachen könnte.

    Doch auch wenn in Europa eine Revolte angezettelt werde, sei sie dann eher gegen Tsipras gerichtet, und Merkel  könne derzeit „ein überraschendes Maß an Unterstützung“ genießen.  Denn „Europa braucht die ‚tiefen Taschen‘ der Wirtschaftsmacht Deutschland für den Fall, dass wegen dem  Grexit eine noch größere Finanzkrise ausbrechen sollte.“, so das Blatt.

    Unter anderem sei Merkel sogar von einem ihrer schärfsten Kritiker, dem italienischen Premierminister Matteo Renzi, unterstützt worden.  Auch Frankreichs Präsident François Hollande befürwortete ihre Politik – wenn Griechenland seine Sparmaßnahmen vernachlässige, kann es nicht zugleich in der Eurozone bleiben.

    Doch gleichzeitig seien die EU-Länder sehr besorgt darüber, was mit dem Euroraum passieren könnte, wenn Griechenland ihn verlassen werde, denn „man ist sich bewusst, dass der Euro nicht ‚unzerstörbar‘ ist“, schreibt die Washington Post.

    Westliche Wirtschaftswissenschaftler, solche wie Joseph Stiglitz, seien der Meinung, dass der Großteil des für Griechenland zur Verfügung gestellten Geldes für "die Rettung von Deutschen und Französischen Banken" verwendet wurde. Diese Banken seien im Jahr 2010 die Inhaber von Milliarden griechischer Schulden gewesen. Nun seien die Schulden in den Händen der EU-Finanzinstitutionen und des IWF.

    "Ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone würde bedeuten, dass die EU-Politik der vergangenen Jahre, die im Wesentlichen von Deutschland gestaltet wurde, fehlgeschlagen ist", zitiert das Blatt Julian Rappold, einen Programmitarbeiter des Alfred von Oppenheim-Zentrums für Europäische Zukunftsfragen.

    „Zweifelsohne wird die griechische Katastrophe ein Loch in den eisernen Panzer der Kanzlerin schlagen und für Unsicherheit in dem Projekt sorgen, das eigentlich dafür gedacht war, die europäischen Länder weiter in eine noch engere wirtschaftliche und politische Allianz zu vereinen, was auch von ihr (Merkel, d.Red.) kräftig unterstützt wurde", schreibt die Zeitung.

    "Sie möchte  nicht in die Geschichte als die Frau eingehen, die für sein Scheitern verantwortlich ist“, betont Tanja Börzel, Politikwissenschaftlerin an der Freien Universität Berlin.

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    Tags:
    Schulden, Grexit, Eurozone, IWF, EU, Joseph Stiglitz, Tanja Börzel, Matteo Renzi, Angela Merkel, Alexis Tsipras, Deutschland, Griechenland, François Hollande