10:40 18 Juni 2019
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    Angela Merkel und  Nicolas Sarkozy

    Griechenland-Krise: Nutzten Merkel und Sarkozy den IWF für eigene Interessen?

    © AP Photo / Remy de la Mauviniere
    Wirtschaft
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    Nach seiner schändlichen Rolle bei der griechischen Katastrophe und dem Herumschubsen durch Merkel und Sarkozy wird der Internationale Währungsfonds viele Jahrzehnte brauchen, um seinen guten Ruf wiederherzustellen, wie der Vize-Wirtschaftsredakteur von The Independent, Ben Chu, schrieb.

    Nachdem Angela Merkel und Nicolas Sarkozy den IWF im Laufe der letzten Jahre herumgeschubst haben, um das Problem der griechischen Staatsverschuldung auf ihre Weise und in ihrem Interesse zu lösen, fühle sich der Internationale Währungsfonds  gedemütigt, so Chu.

    Seiner Auffassung nach ist die aktuelle Situation in Griechenland „eine der größten Katastrophen in der Wirtschaftspolitik seit dem Zweiten Weltkrieg“. Er vergleicht sie mit der „Großen Depression“ in den Vereinigten Staaten.

    „Wie konnte es soweit kommen? Wie konnte Griechenland sich auf der IWF-Schuldnerliste zu Somali, Sudan und Simbabwe gesellen?“, fragt der Journalist.

    Ihm zufolge ist es eine Demütigung für Griechenland, sich unter solchen „gescheiterten“ Ländern zu finden. „Aber lassen Sie sich nicht täuschen: Für den IWF ist es ein ebenso demütigender Moment“, betont er.

    Griechenlands Bankrott sei der  „Höhepunkt einer katastrophalen Spirale von Fehlurteilen“ des in Washington ansässigen Fonds, der schon im Mai 2010, als er von den EU-Behörden aufgefordert wurde, sich an der finanziellen Rettung Griechenlands zu beteiligen, seine ersten Fehler begangen habe.

    Aus der Sicht von Chu hätte der ehemalige IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn vor fünf Jahren die Schulden von Griechenland abschreiben müssen, die damals bereits 133 Prozent des BIP erreicht hatten.

    Stattdessen hat er den Forderungen der europäischen Politiker nachgegeben, die für die  Umstrukturierung der griechischen Schulden plädierten.
    Der IWF hat seiner Ansicht nach in den vergangenen fünf Jahren „Inkompetenz und Feigheit“ demonstriert. Dies sei unverzeihlich. 

    Laut Chu ist es ein "echter Skandal", dass die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der ehemalige französische Präsident Nicolas Sarkozy sich Sorgen wegen der deutschen und französischen Banken machten, denn sie  hätten schon damals  gewusst, dass Griechenland einen erheblichen Teil der Staatsschulden an sie zahlen musste. Und im Falle einer Umstrukturierung würden sie große Verluste erleiden. Der Internationale Währungsfonds hätte die Bedingungen von Merkel und Sarkozy nicht akzeptieren dürfen, betont der Wirtschaftsredakteur.

    Der Fonds werde jetzt viele Jahrzehnte brauchen, um seinen guten Ruf nach seiner schändlichen Rolle in der griechischen Katastrophe wiederherzustellen, behauptet der Journalist.

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    IWF, EU, Angela Merkel, Dominique Strauss-Kahn, Ben Chu, Nicolas Sarkozy, Deutschland, USA, Frankreich, Griechenland