13:45 26 Juni 2019
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    Deutscher Unternehmer in Moskau: „Dem Markt trotz Krise treu bleiben“

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    Dirk Besserer ist seit zehn Jahren als Unternehmer in Moskau tätig. In diesem Jahr muss er mit einem 20-prozentigen Geschäftsrückgang rechnen. Weggehen und zurückkehren findet der Chef von Scio Media jedoch nicht korrekt.

    Das Schlimmste an den Sanktionen seien weniger die Wirtschaftsfolgen, mehr aber die Entfremdung der Länder, meint Dirk Besserer, Leiter des in Russland ansässigen Unternehmens Scio für Projektrealisierung und strategische Kommunikation, im Gespräch mit Marina Piminowa und Andrej Tschistjakow. „Dass wir uns als Länder sehr stark entfremdet haben, ist das wirkliche Kritische“, sagt der Unternehmer. Die Sanktionen selbst seien für Russen schon verkraftbar: „Das Bemerkenswerte an Russen ist es, dass sie unter Extremsituationen besser leben und damit umgehen können als wir zum Beispiel“, so der Deutsche. Ein großes Problem sei, meint Besserer weiter, natürlich die Mittelschicht. Denn die Sanktionen können nicht wirklich helfen, die Regierung zu verändern. Auch die wirklich Wohlhabenden seien kaum davon betroffen.

    „Wenn es Sanktionen gibt, müssen alle mitspielen“

    „Als unser Wirtschaftsminister Anfang letzten Jahres nach Moskau gereist ist, habe ich ihn als Erster gefragt, wie das mit Sanktionen sei“, erinnert sich der Scio-Media-Leiter. Ihm habe dann Sigmar Gabriel gesagt: „Wenn es Sanktionen gibt, dann müssen wir alle mitspielen, das erwartet Sie als deutschen Unternehmer, dann haben Sie weniger Umsatz.“ Sein Unternehmen arbeite aber 100 Prozent am russisch-europäischen Austausch, bemerkte Besserer. „Das letzte Jahr war nicht wirklich gut und in diesem Jahr haben wir sicherlich 20 Prozent weniger Geschäft. Zum Glück konnten wir noch Projekte, die wir aus der Vergangenheit haben, umsetzen“, sagt er.

    Deutscher Ansatz — harte Zeiten miterleben

    Dirk Besserer, Andrej Tschistjakow und Marina Piminowa
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    Dirk Besserer, Andrej Tschistjakow und Marina Piminowa

    Besserer unterscheidet zwischen dem „angelsächsischen Ansatz“, der etwa bei Opel zu sehen sei, und dem europäischen Ansatz, den die Loyalität zum Markt ausmache. „Opel hat sein Werk zugemacht, einen Milliardenverlust genommen, und wenn es in drei Jahren wieder vorangeht, kommen die wieder. Beim europäischen Ansatz nimmt man nie viel Geld in die Hand und baut das Geschäft immer auf. Aber ich habe selbst entschieden, diese Krise hier mit durchzustehen, weil ich glaube, es ist nicht korrekt, wenn wir sagen: „Jetzt ist es schlecht, jetzt gehen wir mal weg. Dann geht es in drei-vier Jahren wieder voran. Es gibt gute Zeiten und es gibt schlechte Zeiten, ich denke, man sollte diese schwierigen Zeiten auch miterleben“, so Besserer.

    Wichtig ist, meint Besserer, dass Deutschland und Russland einen Austausch haben und miteinander reden. Es sei seine These seit zehn Jahren, die er in Moskau ist: „Die Europäische Union und Russland ergänzen sich enorm. Sich zu treffen und voneinander zu lernen, das ist das Allerwichtigste.“

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    Sanktionen, Scio Media, Opel, EU, Dirk Besserer, Sigmar Gabriel, Deutschland, Russland