08:09 09 Juli 2020
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    Griechenland: Schuldenkrise und Austritt aus Eurozone (94)
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    Die Wahrscheinlichkeit eines Grexits liegt nach Einschätzung der Ratingagentur „S&P“ bei etwa 50 Prozent. In Griechenland machen sich indes Probleme bei kleinen Geldscheinen und Wechselgeld bemerkbar. Markus C. Kerber, Professor für öffentliche Finanzwirtschaft und Wirtschaftspolitik an der TU Berlin, wirft der EZB Konkursverschleppung vor.

    Griechenlands Premier Alexis Tsipras
    © AP Photo / Markus Schreiber
    „Was besonders skandalös ist, ist die weitere zeitlich entfristete Unterstützung Griechenlands bzw. des griechischen Bankensektors durch sogenannte Notkredite, die die EZB erlauben muss. Damit wird in Griechenland ein Bankensystem aufrechterhalten, das schon längst konkurs ist. Mit diesem Bankensystem wird ein Staat aufrechterhalten, der ganz offensichtlich konkurs ist. Das heißt, die EZB betreibt Konkursverschleppung, obwohl sie gleichzeitig auch Bankenaufsicht ist“, so der EZB-Gegner.  

    Als Lösung der grundsätzlichen Probleme der Eurozone schlägt Prof. Kerber die Einführung einer Zweitwährung vor.

    „Ich glaube nicht, dass die monetäre Instabilität, die wir momentan in der Eurozone haben, sich allein auf das Griechenland-Problem reduziert. Denn Griechenland und die griechische Krise ist erst der Anfang. Der Anfang des Anfangs einer Revision des gesamten europäischen monetären Systems. Und dabei kann – wie ich das vorgeschlagen habe – für die Starkwährungsländer (Deutschland, Österreich, Luxemburg, Finnland und die Niederlande) eine Starkwährung als Zweitwährung an die Seite des Euros treten, um eine Entflechtung des Euro-Gebietes einzuleiten.“

    Griechenland
    © AFP 2020 / Angelos Tzortzinis
    „Die südlichen Länder, die eine schwächere Währung brauchen, sollten sich auf den Euro konzentrieren, während sich die nördlichen Länder in absehbarer Zeit eine eigene Währung zulegen“, schlägt der Experte vor. „Wichtig ist, dass Bürger und Unternehmen von dem Zeitpunkt an, wo es ein zweites gesetzliches Zahlungsmittel gibt, eine zusätzliche Wahlmöglichkeit haben, und dass diese zusätzliche Wahlmöglichkeit dazu führt, dass sie sich für die eine oder andere Währung entscheiden und damit auch eine Schwachwährung und damit die Institutionen dieser Schwachwährung abwählen können. Das ist eine Form der Demokratie im Bereich des Währungswettbewerbs“, meint er.

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    Tags:
    Währung, Euro, Ratingagentur Standard & Poor’s, Europäische Zentralbank (EZB), Eurozone, Markus C. Kerber, Griechenland