15:15 17 Juni 2019
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    BRICS-Gipfel in Russland

    BRICS-Entscheidungen: Entwicklungsbank als Alternative zu IWF und Weltbank?

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    Wirtschaft
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    Während ihres Gipfels in Ufa haben die BRICS-Staatschefs die Gründung der Entwicklungsbank abgesegnet, die auch als Alternative zum IWF und zur Weltbank angesehen wird. „Ein großartiges Projekt“, meint der Wirtschaftsexperte und Online-Redakteur beim Kopp-Verlag Markus Gärtner, Autor des Buches „Drachensturm. Wie China und Co. den Westen erobern“.

    „Das ist auch ein ehrgeiziges Projekt“, sagte er im Interview mit dem Sputniknews-Korrespondenten Nikolaj Jolkin. „Es ist geplant, zunächst 100 Milliarden US-Dollar einzuschießen. Man kann auch noch privates Kapital in einzelne Projekte zusätzlich mit hineinziehen. Im Augenblick sind 10 Milliarden Dollar bereits eingezahlt. Die ersten großen Projekte will man in dieser Entwicklungsbank bis Ende des Jahres festlegen. Und es gibt grenzüberschreitend große gemeinsame Projekte zwischen Russland und China und im ganzen eurasischen Raum.“

    „China ist bereits die größte Handelsmacht auf dem Planeten, Russland ist rohstoffstark, hat viele gut ausgebildete Leute“, so der Autor. „Das sind Kapazitäten, die man miteinander ergänzen kann. Und wenn man das Geld dafür auch noch durch diese Bank zur Verfügung stellt, dann kann man das Potential weiter ausbauen.“

    Griechenland könne diese Bank aber nicht helfen, räumte er ein. Es seien erst 10 Milliarden Dollar, die eingezahlt wurden. Wenn man Griechenland helfen wolle, müsse man sehr schnell über 300 Milliarden Euro Schulden begleichen.

    „Wir haben mit Griechenland ein Land, das mit dem Rücken zur Wand steht und enorme Probleme hat: Die Pensionen und die Löhne sind gesunken. Es gibt große soziale Probleme, die Armut, die Geldautomaten sind leer“, stellt der Ökonom fest. Das Land wird sich in den nächsten Wochen und Monaten sehr stark auf sich selbst konzentrieren. Ich würde aber solche Hilfe auf mittlere oder längere Sicht gar nicht ausschließen.“

    Da es Wachstumsprobleme in Europa und Asien und sogar in den USA gebe, mache es Sinn für eine Gruppe wie die BRICS – Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika — sich innerhalb der eigenen Gruppierung auszudehnen und naheliegende Märkte, die man miteinander durch zusätzliche und fortlaufende Kooperation erschließen könnte, zu suchen. Und so sei es bei diesem BRICS-Gipfel in Russland auch passiert.

    Dass russische Gas- und Erdölkonzerne jetzt die Ausführung ihrer Kontrakte mit China in der chinesischen Währung Yuan berechnen werden, hält Markus Gärtner für eine rasante und bemerkenswerte Entwicklung, indem man den Dollar Schritt für Schritt als Weltleitwährung ablöst.

    Zwar habe der Dollar nach offiziellen Zahlen immer noch knapp 60 Prozent Anteil an den Weltwährungsreserven, aber er werde gezielt und schnell vor allem innerhalb der BRICS abgelöst. „Und wenn man sieht, dass China die größte Handelsnation und Russland ein wichtiger Rohstofflieferant und eine Handelsnation sind, dann macht sich das natürlich bemerkbar, wenn die beiden Länder und ihre Handelspartner sich verabreden, dass sie mehr und mehr in eigener Währung den Handel treiben“, äußerte der Experte. „Und das Ergebnis ist, dass der chinesische Yuan innerhalb weniger Jahre von der 12. jetzt schon auf die 5. Position der wichtigsten Währungen der Welt hochgerutscht ist. Auch die Exportnation Deutschland hat großes Interesse, sich da anzuhängen.“

    Der Wirtschaftsexperte führte eine Studie an, aus der hervorgeht, dass deutsche Firmen, wenn sie im Handel mit China mit Renminbi direkt zahlen, drei bis fünf Prozent vom Transaktionsvolumen einsparen können. „Das heißt, dass es jenseits vom politischen Orbit auch noch große wirtschaftliche Zwänge und Vorteile gibt, wenn man sich dieser Expansion des Yuan-Handels anschließt“, schlussfolgert Markus Gärtner.

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    Tags:
    Schulden, Yuan, Dollar, BRICS-Gipfel 2015 in Ufa, BRICS-Entwicklungsbank, Weltbank, BRICS, Markus Gärtner, Russland, China, Griechenland