12:42 25 April 2019
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    „NYT“-Blog: Forderungen an Athen sind Wahnsinn – „Das ist ein Putsch“

    © REUTERS / Yannis Behrakis
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    Europa verrät in absurder Weise all das, was es schützen sollte, schreibt der namhafte Wirtschaftsexperte Paul Krugman an seinem Blog in der „New York Times“ zur Reaktion Brüssels auf die Griechenland-Krise.

    „Angenommen, ihr betrachtet Tsipras als ein inkompetentes Nichts. Angenommen, ihr trachtet danach, dass Syriza die Macht verliert. Angenommen sogar, dass ihr vorhabt, diese enervierenden Griechen aus der Eurozone auszustoßen. Selbst wenn all das stimmen sollte – die Forderungen der Eurogruppe an Griechenland sind ein Wahnsinn“, schreibt Krugman.

    Soziale Netzwerke reagierten auf die Liste der Forderungen an die griechische Regierung mit dem Hashtag #ThisIsACoup („Das ist ein Putsch.“) Nach Krugmans Ansicht ist dies „absolut treffend“.

    Die Liste ist „eine ausgesprochene Rache, eine absolute Vernichtung der nationalen Souveränität beim Fehlen jeder Hoffnung auf Erleichterung“. „Wahrscheinlich wurde dieser Vorschlag ursprünglich so formuliert, damit Griechenland ihn nicht annehmen kann. Aber selbst in diesem Fall ist dies ein absurder Verrat an all dem, was das europäische Projekt verteidigen sollte.“

    Europa habe zwar immer noch eine Chance, sich vor dem Abgrund wegzuzerren, so der Analyst. EZB-Präsident Mario Draghi versuche, einigermaßen gesunden Verstand an den Tag zu legen. Frankreichs Präsident Francois Hollande wage endlich, seine ablehnende Haltung zur mentorhaften Strategie Deutschlands zu äußern. „Ein ernsthafter Schaden wurde aber bereits verursacht“, so Krugman. „Wer wird nun jemals an gute Absichten Deutschlands glauben?“

    In den zurückliegenden Wochen wurde klar, betont der Experte: Die Mitgliedschaft in der Eurozone bedeutet, dass die Gläubiger deine Wirtschaft vernichten können, solltest du über den festgelegten Rahmen hinausgehen. Ein Aufdrängen der Sparpolitik ohne Verringerung der Schuldenlast sei eine Politik, die zum Scheitern verurteilt sei. Dies bedeute, dass Griechenland nicht aus der Sackgasse herauskommen wird, selbst wenn es all den Forderungen zustimmt.

    „Das europäische Projekt, das ich stets besungen und unterstützt habe, hat einen furchtbaren und vielleicht tödlichen Schlag bekommen“, schlussfolgert Krugman. „Unabhängig davon, was Sie von Syriza oder Griechenland denken: Diesen Schlag haben keinesfalls die Griechen versetzt.“

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    Tags:
    Schulden, Europäische Zentralbank (EZB), Eurozone, Syriza-Partei, New York Times, Mario Draghi, Paul Krugman, Griechenland, François Hollande