07:05 18 August 2017
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    Schuldenkrise in Griechenland

    Griechenland-Einigung: „Grexit wäre bessere Lösung“ – Deutscher Experte

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    Wirtschaft
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    Ein guter Kompromiss ist das neue Hilfspaket für Athen nicht, findet Prof. Dr. Clemens Fuest, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim. Grexit auf Zeit und Kreditstopp wären bessere Lösung gewesen.

    Die angebliche Einigung hat für eine neue Kritikwelle in der Griechenland-Debatte gesorgt. „Ich glaube nicht, dass es ein guter Kompromiss war“, meint Professor Clemens Fuest  im Sputniknews-Interview mit Marina Piminowa und Pjotr Scharapow. Gut sei daran eines der Grundprinzipien der Eurozone gewesen, dass es keine Kreditprogramme ohne glaubwürdige Auflagen gebe. Negativ daran finde er jedoch, dass das Programm so nicht funktionieren wird, „weil die griechische Bevölkerung und die griechische Politik es nicht wirklich wollen“.

    Die griechische Bevölkerung habe sich mit großer Mehrheit gegen das Programm gestimmt, außerdem sei Griechenland überschuldet. Es solle nun die Steuern weiter erhöhen und die Ausgaben weiter kürzen. „Das Land wird sich also nicht erholen, die Wirtschaftskrise wird sich weiter vertiefen und die Konflikte innerhalb der Eurozone werden zunehmen. All das ist kein gutes Ergebnis“, erklärt der Professor.

    Auch das Referendum sei mit Sicherheit ein Fehler gewesen, sagt Fuest weiter: „Es hat für die Unsicherheit nochmal gesorgt und die Kapitalflucht aus dem Lande verstärkt. Jetzt muss Herr Tsipras zu seiner Bevölkerung gehen und sagen, dass alle seine Versprechen letztendlich Märchen waren und dass weitgehendere Reformen umzusetzen sind. Das wird es schwerer machen, diese Programme tatsächlich durchzuführen.“

    Schuldner-Gläubiger-Verhältnis vergiftet Atmosphäre

    Ein Fehler der Gläubiger bestehe darin, nicht ausreichend berücksichtigt zu haben, ob diese Bedingungen wirklich glaubwürdig sind. „Es wird sich in einiger Zeit herausstellen, dass das Programm nicht funktioniert. Dann wird man wieder verhandeln müssen und dann werden große Vorwürfe erhoben gegenüber den Nordeuropäern, vor allem gegenüber Deutschland. Und der Streit wird von vorne anfangen“, sagt Fuest weiter.

    Der Grexit ist Fuest zufolge die bessere Lösung: „Er hätte den Vorteil, dass die griechische Währung dann gegenüber dem Euro abwerten würde, dass Griechenland wettbewerbsfähiger würde und dass nicht der Rest Europas zahlen müsste“. Der Grexit würde außerdem ein Signal setzen, dass die EU nicht zu einer dauerhaften Transfer-Union wird.

    Das Ganze ist eine gefährliche Entwicklung für Deutschland, meint der Experte weiter. „Deutschland ist der größte Zahler an Griechenland, dafür dankt Deutschland aber niemand, sondern ganz im Gegenteil  Deutschland wird dafür kritisiert. Da ist es besser, Deutschland würde nicht zahlen. Wenn in Europa einige Länder Gläubiger sind und die anderen Schuldner, wird das die Atmosphäre vergiften“, so der ZEW-Präsident.

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    Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW), EU, Clemens Fuest, Deutschland, Griechenland
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