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    Daimler AG

    Korruptionsskandal: Daimler AG nicht bereit, Opfer zu spielen

    © AP Photo / Gero Breloer
    Wirtschaft
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    Nach fünf Jahren Ermittlung könnte der Prozess gegen das russische Außenbüro von Mercedes Benz eingestellt werden, da nach Angaben des Gerichts die für ihre Schmiergeldaffären bekannte Firma Daimler AG sich nicht als geschädigte Seite sehen möchte.

    An dem Skandal seien damals zwei hochrangige Beamte des Innenministeriums, ein Arbeiter der Garage des Föderalen Bewachungsdienstes und ein ehemaliger Mitarbeiter von „Mercedes-Benz RUS" beteiligt gewesen. Laut den Ermittlern haben die Angeklagten vor etwa zehn Jahren Vertreter der Daimler AG betrogen. In mehreren Gesprächen mit der Daimler AG hatten sie angeblich über eine Möglichkeit gesprochen, den Ablauf von Kaufverträgen ausländischer Autos beeinflussen zu können.

    Daimler in München: Mercedes-Benz-Produktion
    © REUTERS / Michaela Rehle/Files
    Doch am Samstag gab das Gericht die Unterlagen der spektakulären Affäre wieder an die Generalstaatsanwaltschaft zurück. Die Hauptursache sei das Nichtvorhandensein einer Geschädigten Partei – die Daimler AG hat sich geweigert, sich als eine solche anzuerkennen. Somit kann der Fall demnächst geschlossen werden.

    Der Grund könnte darin liegen, dass das US-Justizministerium im Jahr 2010 schwere Vorwürfe gegen den deutschen Konzern Daimler AG erhoben hatte: Zwischen 1998 und 2008 soll der deutsche Autobauer Beamte aus mindestens 22 Ländern, darunter auch Russland, mit Schmiergeldern in Millionenhöhe bestochen haben, um Staatsaufträge zu bekommen. Der Autoriese musste im Rahmen einer vorgerichtlichen Regelung 180 Millionen Dollar zahlen.

    Wie die Zeitung „Kommersant“ am Samstag schreibt, habe der Konzern anscheinend beschlossen, dass der Ruf einer geschädigten Partei sich nicht nur negativ auf das Image auswirken, sondern auch zu Sanktionen seitens der USA führen könnte. Darüber hinaus haben die Vertreter des Konzerns wahrscheinlich gar nicht erwartet, dass das weltweit in Schmiergeldaffären verwickelte Unternehmen in Moskau als Opfer von Betrug eingestuft wird.

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    Tags:
    Sanktionen, Schmiergeld, Mercedes-Benz, Daimler AG, Deutschland, USA, Russland