09:43 09 Dezember 2019
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    Eine Euro mit griechischer Eule

    Sonderfall Griechenland: Athen fehlt Anbindung an Weltmärkte – Deutscher Experte

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    Wirtschaft
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    Griechenland: Schuldenkrise und Austritt aus Eurozone (94)
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    Auslöser der globalen Finanzkrise 2008 war ein Vertrauensverlust an den Finanz- und Kapitelmärkten. Dieses Vertrauen scheint auch sieben Jahre danach zu fehlen. Gerade in einer solchen Atmosphäre des Misstrauens dauern die Griechenland-Verhandlungen an, meint Dr. Claus-Friedrich Laaser, Wirtschaftsexperte vom Kieler Institut für Weltwirtschaft.

    Diese Woche steht ein drittes Hilfspaket in Höhe von 86 Milliarden Euro im Gespräch. Griechenland brauche aber in erster Linie Strukturreformen, so der Experte.

    Griechenland habe eine Wirtschaftsstruktur, die eigentlich gar nicht in der Lage sei, jene Einkommen zu verdienen, an die man sich im Zuge des auslandskreditfinanzierten Wachstums gewöhnt habe. Die Wirtschaftsstruktur Griechenlands gleiche eher der eines Entwicklungs- oder Schwellenlandes. „Das Land produziert zu wenig High-Tech-Produkte und Erzeugnisse, die einen hohen Humankapitalanteil aufweisen“, betont Dr. Claus-Friedrich Laaser.

    Griechenland habe praktisch die Globalisierung verschlafen. Seine Exportquote dümpele bei 30 Prozent herum. Dagegen lägen selbst die drei kleinen baltischen Staaten bei der Exportquote zwischen 60 und 85 Prozent. „Das heißt, Griechenland ist gar nicht in die Weltmärkte eingebunden“, resümiert der Wirtschaftsexperte.

    "Die Lösung für das Land zeichnet sich eigentlich schon seit vielen Jahren ab. Griechenland braucht ganz dringend einen wirtschaftlichen Strukturwandel. Und zwar einen Wandel der vorhandenen Beschäftigungs- und Produktionsstrukturen, damit man am Weltmarkt wiederum bessere Einkommen erzielen kann. Und dazu muss man die Rahmenbedingungen in Griechenland ganz deutlich verbessern.“
    „Griechenland braucht private Investoren. Und private Investoren kommen natürlich nur, wenn Rechtssicherheit herrscht, wenn die institutionellen Rahmenbedingungen stimmen. Von all den Dingen, die man jetzt im Rahmen dieser Hilfspakete verhandelt, sind die Justiz- und die Verwaltungsreform aus meiner Sicht die wichtigsten“, so Dr. Claus-Friedrich Laaser.

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    Finanzhilfe, Griechenland