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06:04 15 Oktober 2019
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    Proteste der Landwirte in Frankreich

    Unzufriedene Landwirte in Europa: Russland-Markt wird vermisst

    © AP Photo / Vincent Dargent
    Wirtschaft
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    Proteste der Landwirte sind in Frankreich eher gewohnte Erscheinung. Doch es sei länger zurück, dass eine solche große Demonstration war, bemerkt Dr. Franz Sinabell. Österreichischen und deutschen Bauern seien die Protestgründe auch nicht unbekannt.

    „Die Gründe für die Proteste sind die stark sinkenden Preise für Agrargüter. In Frankreich sind sehr sichtbare Proteste unter Landwirten sehr häufig. Daher ist diese Situation eine ungewohnte, weil es länger zurück ist, dass eine solche große Demonstration war“, sagt Dr. Franz Sinabell vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung im Radio-Interview für Sputniknews.

    Die Rückgänge betreffen alle Produkte: im Milchbereich etwa 30 Prozent, im Getreide-Bereich etwa 15 bis 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

    Auch deutsche Landwirte haben den Preisdruck zu spüren, kommentiert Dr. Michael Lohse, Pressesprecher des Deutschen Bauernverbandes. „Die französischen, wie die deutschen Landwirte, leiden unter einer mächtigen Preissenkung bei Milch, Schweinefleisch, Obst und Gemüse und können in vielen Fällen ihre Produktionskosten über den Erzeugerpreis nicht mehr hereinbekommen“, sagt Lohse für Sputniknews.

    Russland-Embargo: Nachteile für beide Seiten

    Nachteile auf den Lebensmittelmärkten sind unter anderem auch Folgen des Russland-Embargos. Betroffen seien dabei beide Seiten, so Dr. Sinabell weiter: „Die Wirkung eines Embargos führt zu Nachteilen auf beiden Seiten. Nicht nur die russischen Importeure, sondern auch die österreichischen und europäischen Exporteure haben Zugang zum Markt verloren. Das spürt jeder, der auf diesen Märkten aktiv ist. Das ist aber offenbar der Preis, den die politischen Entscheidungsträger bereit sind einzugehen“.

    „Die Folge des Embargos war und ist, dass Versuche unternommen wurden, andere Märkte und Absatzkanäle zu erschließen“, meint er weiter. Dieses Bemühen sei nicht vollständig gelungen. Es sei natürlich bedauerlich, weil sich die Agrarmärkte sehr günstig entwickelt haben aus Sicht der Exporteure, daher gebe es ein großes Interesse unter Exporteuren, diesen Marktzugang wiederzueröffnen.

    Die Auswirkungen des Russland-Embargos nennt Michael Lohse gravierend. „Exportprodukte kommen nun auf den europäischen Markt zurück, und dadurch sinkt der Preis bei gleich bleibender Nachfrage. Wir hoffen, dass dieses Russland-Embargo beendet werden kann, um hier wieder eine gute wirtschaftliche Zusammenarbeit zu ermöglichen. Das ist für die deutschen wie für die europäischen Landwirte eine wichtige Frage“, so der Pressesprecher des Deutschen Bauernverbandes.

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    Tags:
    Deutschland, Österreich, Frankreich, Russland