22:03 21 September 2020
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    Für westliche und amerikanische Investoren gibt es im iranischen Energiesektor keinerlei Einschränkungen, wie der Energieminister dieses Landes, Hoshang Falahtiyan, erklärte. Der Iran sei an der Wiederaufnahme und Festigung der aktiven Zusammenarbeit mit den großen deutschen Energie-Unternehmen interessiert, fügte er hinzu.

    Dieser Tage erklärte der Vorsitzende der Deutsch-Iranischen Industrie- und Handelskammer (in Teheran), Daniel Bernbeck, Deutschland sei durchaus bereit, mit dem Iran einen Vertrag über den Export erforderlicher Waren und Technikim Wert von fünf Milliarden Euro abzuschließen, sobald alle Sanktionen aufgehoben sind. Deutschland sei an einer Zusammenarbeit mit der Islamischen Republik in den Sphären Wasserkraftnutzung, Erdöl und Erdgas, bei der Verwirklichung von Projekten der regenerativen Energiewirtschaft, bei der Lieferung medizinischer Ausrüstungen, aber ebenso bei der Produktion von Sonderausrüstung und Technik interessiert, sagte Bernbeck.  Das Haupthindernis für den Start der Umsetzung gemeinsamer Vorhaben bestehe allerdings vorerst in der gegenseitigen Verrechnung zwischen den Ländern, da die gegen den Iran verhängten Sanktionen auch ein Verbot internationaler Bankengeschäfte beinhalten. Der Vorsitzende der Deutsch-Iranischen Industrie- und Handelskammer äußerte dennoch die Hoffnung, dass man bald mit der Umsetzung der bilateralen Projekte beginnen werde.

    Seine Prognose bezüglich der Zukunft der iranisch-deutschen Beziehungen nach der Aufhebung der Sanktionen äußerte im Interview mit Sputnik Persian der iranische unabhängige Experte und Ökonom aus Dortmund, Mohsen Maghsoudi, ein Absolvent der Aserbaidschanischen Hochschule für Erdöl und Chemie. Er sagte Folgendes:

    „Deutschland und andere europäische Länder sind bestrebt, im Nahen und Mittleren Osten möglichst bald fest Fuß zu fassen, und das nicht allein in der politischen Arena, sondern vor allem im Sektor Handel und Wirtschaft. Eine solche Position äußerten in der letzten Zeit der deutsche Bundespräsident und die Kanzlerin.“

    „Die Deutschen hatten bis zur Verhängung der Sanktionen sehr aktiv mit dem Iran zusammengearbeitet“, fuhr der Experte fort. „Der Warenaustausch im Handel erreichte etwa zwei Milliarden Dollar im Jahr. Deutschland ist deshalb nicht einfach nur an einer Rückkehr zu diesem Niveau interessiert, sondern auch an seiner Vergrößerung auf zehn bis elf  Milliarden. Wichtig ist für die Länder ebenso die Wiederherstellung der Zusammenarbeit mit dem Iran in der Energiewirtschaft, da Deutschland solche Energieträger wie Erdöl und Erdgas braucht. Vor Deutschland steht die Aufgabe, seine Abhängigkeit bei Erdöl und Erdgas von Russland zu verringern.  Eben zu diesem Zweck hatte auch der jüngste Besuch des Vizekanzlers und Wirtschaftsministers Siegmar Gabriel (SPD) im Iran stattgefunden. Er folgte einer Einladung des iranischen Energieministers. Ein wichtiges Thema dieser Reise wurde bei den Begegnungen mit hochrangigen iranischen Staatsbeamten die Frage des Investierens von bis zu 100 Milliarden Euro in Projekte für geologische Arbeiten sowie in die Erdöl- und Erdgasförderung. Der Erdöl- und Erdgassektor des Irans braucht Investitionen, damit im Land die Produktion dieser Energieträger gesteigert werden kann. Deshalb gibt es ein gegenseitiges Interesse beider Länder an der Erweiterung und Festigung der Zusammenarbeit in der Energiewirtschaft.“

    BRICS-Staaten wollen mehr Macht
    © Sputnik / Host Photo Agency / Alexei Kudenko
    Doch was tatsächlich für den Iran in der gegenwärtigen Etappe meines Erachtens wichtig ist, das ist nicht nur der Import hochtechnologischer Industrieausrüstungen aus Deutschland, sondern auch die logistische Kontrolle und seine technische Wartung bei der Nutzung. Einfach die Einfuhr von Waren aus Deutschland in den Iran kann im Land eine Zunahme der Arbeitslosigkeit provozieren. Ebenfalls meine ich, dass die Zusammenarbeit zwischen dem Iran und Deutschland in der Harmonie und im Einvernehmen mit der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) und den Ländern der BRICS aufgebaut werden sollte. Der Iran ist einer der stärksten potentiellen Aufnahmekandidaten in die  EAWU. Wenn es der Islamischen Republik gelingt, in dieser internationalen Vereinigung Fuß zu fassen, dann wird verständlicher sein, wie man die Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland und den anderen Ländern Europas gestalten soll. Denn in diesem Fall wird sich nicht nur der besondere neue Platz des Irans in der Region, sondern auch  auf internationaler Ebene herausbilden.“

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    Tags:
    Sanktionen, Eurasische Wirtschaftsunion (EAWU), BRICS, Mohsen Maghsoudi, Hoshang Falahtiyan, Sigmar Gabriel, Deutschland, Iran