04:24 08 Dezember 2019
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    Experte: Hilfspaket für Griechenland ist bloß Symptomenkur

    © AFP 2019 / Angelos Tzortzinis
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    Griechenland: Schuldenkrise und Austritt aus Eurozone (94)
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    Die Regierung in Athen hat noch bis zum 20. August Zeit, um ein drittes Hilfspaket auszuhandeln. Ansonsten droht Griechenland ein wirtschaftlicher Zusammenbruch.

    Aber auch weitere Finanzspritzen der Gläubiger seien ausschließlich eine Symptomenkur, meint Mag. Dr. Stephan Schulmeister, der ehemalige Mitarbeiter des Österreichischen Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO).

    „Die Therapie, die man jetzt Griechenland verordnet, hat bei einem akuten Krankheitsausbruch ihre Zweckmäßigkeit, wird aber nicht das Problem langfristig lösen“, sagte der Ökonom im Gespräch mit Sputniknews. „Warum ist unser Wirtschaftssystem nicht erst in den letzten Jahren, sondern schon seit 30 oder 40 Jahren immer anfälliger für Finanzkrisen geworden, welche Prozesse spielen sich auf den Aktienmärkten ab – alle diese systemischen Fragen werden weiterhin zugedeckt“, kritisiert Schulmeister.

    Griechenland und das restliche Europa seien aufeinander angewiesen. Der Zusammenbruch der griechischen Wirtschaft werde sich auf ganz Europa übertragen, warnt der Experte. Verantwortlich dafür sei der spekulative Finanzkapitalismus, der die Realwirtschaft an ihrer Entwicklung gehindert habe.

    Was mögliche Lösungen für die Krise angeht, so komme laut Schulmeister ein Grexit nicht in Frage, weil er die humanitäre Lage im Land wesentlich verschlechtern werde. So seien die Gerüchte darüber, dass die griechische Regierung von Anfang an einen Austritt aus der Währungsunion angepeilt habe, wenig glaubwürdig.

    Der Österreicher spricht von einer gesamteuropäischen Krise, die Griechenland allein nicht bewältigen könnte, und plädiert für einen europäischen New Deal: „Ohne eine Offensive im Bereich der Investitionen, die Verbesserung der Infrastruktur, des Bildungswesens, des Umweltschutzes – ohne eine expansive Politik kann Griechenland aus der Krise nicht herauskommen. Die Länder wie Portugal und Spanien haben eine bessere Performance, weil sie viel weniger sparen mussten und weil sie zum Teil seit einem Jahr auch expansive Impulse setzen. In dem Maße, in dem man sich nicht an die Sparauflagen hält, hat man eine Chance herauszukommen“.

    Das könne Athen nur mit der Zustimmung der Gläubiger tun, weil es in eine totale finanzielle Abhängigkeit geraten ist, stellt der Ökonom fest.

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    Grexit, Wirtschaftskrise, Wirtschaftsinstitut Wifo, Stephan Schulmeister, Griechenland