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    Moskaus Antrag auf Schelferweiterung: Kein Interessenkonflikt mit Kanada und Dänemark

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    Um den russischen Antrag auf eine Erweiterung des Kontinentalschelfs zu begründen, haben die Forscher ein neues Entwicklungsmodell der Arktis hergestellt. Sie sehen keinen Interessenkonflikt mit Dänemark und Kanada, befürchten aber einen politischen Widerstand der USA. Leopold Lobkowski vom russischen Ozeanologie-Institut klärt auf.

    Der russische Antrag wurde vom Naturministerium und der nationalen Akademie der Wissenschaften vorbereitet. Lobkowski, der die Arbeit der zuständigen Institute der Akademie koordiniert hatte, sagte nun der Agentur RIA Novosti: „Unsere Aufgabe war die Aufstellung eines modernen Modells der geodynamischen Aktivität der Arktis, um das Konzept einer Ausweitung des arktischen Kontinentalschelfs Russlands zu begründen.“ 

    Das ist bereits der zweite russische Antrag. Der erste hatte im Jahr 2001 sein Ziel verfehlt: Die UN-Kommission zur Begrenzung des Festlandsockels wollte ihn damals nicht akzeptieren. Laut Lobkowski forderte die Kommission erstens präzisere Karten des Bodenreliefs und zweitens stichhaltigere Argumente dafür, dass die unterseeischen Lomonossow- und Mendelejew-Rücken mit dem sibirischen Kontinentalschelf unzertrennlich verbunden seien.

    Nun glaubt Russland jene Forderungen erfüllt zu haben. „Die entsprechenden geologischen und geophysikalischen Forschungen in der Arktis nahmen mehr als zehn Jahre in Anspruch. Unter anderem gab es groß angelegte Expeditionen mit Eisbrechern und spezialisierten Forschungsschiffen. Auf diesem Weg wurden die nötigen kartographischen und geophysikalischen Daten gesammelt, die die Kommission zufriedenstellen sollen. Außerdem stellten wir ein evolutionäres Entwicklungsmodell der Arktis aus (…) Damit klären wir erstmals über den realen Mechanismus der Verschiebung von Erdkrusten-Blöcken in der Arktis auf, aber auch über die Herkunft der wichtigsten tektonischen Elemente und Bodenstrukturen im Nordpolarmeer“, so Lobkowski.

    Er erläuterte: „Vor 120 Millionen Jahren waren der Lomonossow- und der Alpha-Mendelejew-Rücken mit dem Barentssee-Kontinentalrand verknüpft gewesen. Dann entfernten sie sich allmählich von ihm. Hinter ihnen entstand das Makarow-Becken. Wir können zeigen, wie all dies evolutionär vollzog (…) Dieses Modell beseitigt den zweiten Teil der Bemerkungen der UN-Kommission. Bei diesen Rücken und Becken handelt es sich um Kontinentalblöcke, die zwar evolutionäre Verschiebungen erlebten, sich aber vom eurasischen Kontinentalrand nicht loslösten.“ 

    „Faktisch ist das eine Grundlage, um den Schelf zu erweitern. Das können sowohl Russland als  auch Kanada und Dänemark tun (…) Hätten wir gute Beziehungen mit Kanada und Dänemark gehabt, könnten wir sogar einen gemeinsamen Antrag stellen. Leider kommt es nicht dazu, sie wollen mit uns nicht zusammenarbeiten. Doch wir haben keine Interessenkollision mit Kanada und Dänemark, denn alle drei Länder sind daran interessiert, ihren jeweiligen Festlandsockel bis hin zum Nordpol auszuweiten“, so Lobkowski.

    In der UN-Kommission sei ein Interessenkonflikt dagegen nicht auszuschließen: „Dort gibt es Vertreter Europas, Afrikas, Lateinamerikas, Asiens. Die Forscher gelten zwar als unabhängig, können aber politisch unter Druck gesetzt werden (…) Die USA werden dort eine große Rolle spielen und Einfluss üben – indirekt und direkt.“

    Laut Lobkowski enthält das von Russland jetzt beanspruchte Gebiet rund fünf Milliarden Tonnen Öleinheiten, ist aber auch in Sachen Schifffahrt, Geopolitik und Verteidigung wichtig: „Falls die Anträge akzeptiert werden, wird das Nordpolarmeer nicht mehr international sein. Die arktischen Länder werden es faktisch untereinander aufteilen – und Schiffe aus anderen Ländern werden sich dort nicht mehr aufhalten dürfen.“

    Lobkowski prognostizierte, der russische Antrag habe Chancen auf Erfolg, es gehe aber nicht schnell: „Das kann durchaus Jahre dauern.“ Wie das russische Außenministerium unterdessen mitteilte, rechnet Moskau damit, dass die Bearbeitung des russischen Antrags bereits im Herbst 2015 beginnt.

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    Schelf, UN-Kommission, Leopold Lobkowski, USA, Russland, Kanada, Arktis