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    Der Euro mehrt den Reichtum nicht – EZB-Analyse

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    Wirtschaft
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    Die Einführung des Euro hat das Lebensniveau in den Ländern der Eurozone nicht verändert und auch nicht die Spanne zwischen den armen und reichen Ländern verringert, stellen Analysten der Europäischen Zentralbank (EZB) fest, auf deren Bericht die polnische Zeitung „Rzeczpospolita“ eingeht.

    Man hatte angenommen, dass die Einführung der gemeinsamen Währung in den bargeldlosen Zahlungsverkehr im Jahr 1999 in elf EU-Ländern und dann im Jahr 2001 (als sich dem auch Griechenland anschloss) in den Bargeld-Zahlungsverkehr helfen werde, das Lebensniveau der Bevölkerung in den Ländern der Eurozone  anzugleichen. Das sei jedoch nicht geschehen. In den ärmeren Ländern habe sich die Situation sogar verschlechtert, betont die Zeitung.

    Laut den EZB-Angaben existierte ab 1999 ein positives Wachstum. In den Ländern, die sich der Eurozone in den Jahren 2004 und 2007 angeschlossen haben, ist das Lebensniveau gestiegen. Besonders  bemerkt man das am Beispiel Estlands, Lettlands, Litauens und der Slowakei. Aber diese Länder waren zuvor Mitglieder der Europäischen Union geworden. Die  Autoren des EZB-Berichts vermuten, dass hier wohl eher ihr Anschluss an die EU eine positive Wirkung hatte, nicht aber die Einführung des Euro.

    In den Ländern Südeuropas, die sich der gemeinsamen europäischen Währung angeschlossen haben, hat sich die Situation nicht verbessert. Die ärmsten unter ihnen befinden sich nach wie vor auf dem Niveau, wie schon vor 17 Jahren (Spanien und Portugal), oder sie erleben schlimme Zeiten (Griechenland). Zum Beispiel war Italien 1999 eines der reichsten Länder der EU, jetzt aber ist das Lebensniveau dort unter den EU-Durchschnitt gesunken.

    Weiterlesen: Griechenland: Schuldenkrise und Austritt aus Eurozone

    Teilweise sei das mit der Finanzkrise verbunden, ausgelöst durch das Fiasko der Bank Lehman Brothers, schreibt „Rzeczpospolita“, aber das sei nicht die einzige Ursache. Irland habe damals ebenfalls stark gelitten, heute aber entwickle sich das Land schnell und gehöre weiterhin zu den reichsten Staaten in der EU.

    Die Autoren des Artikels unter Berufung auf die EZB-Analysten drei Hauptursachen für das Misslingen des Euro-Projekts.

    Erstens liegt es an der Regierung. Die Volkswirtschaft entwickelt sich gut in Ländern mit einem festen Verwaltungsapparat. Die armen oder verarmten Länder der Eurozone nehmen keinen hohen Rang im Weltbank-Rating der Führungsqualität ein.

    Der zweite Grund ist die „Härte“ des Arbeitsmarktes, die bestimmt wird durch die Beschäftigungsgarantie für die Beschäftigung und durch das entwickelte Steuersystem. Unter den Bedingungen eines harten Arbeitsmarktes sinke die Konkurrenzfähigkeit in vielen Branchen, schreibt die Ausgabe, und das wiederum führe zu einem Sinken des Wirtschaftswachstums und des Wohlstands der Bevölkerung.

    Und schließlich der dritte Grund – das „billige Geld“. Billiges Geld war in den armen Ländern aufgetaucht, weil unter den Bedingungen einer gemeinsamen Währung der nominale Zinssatz gesunken, die Inflationsrate aber höher als zum Beispiel in Deutschland war.

    Die Illusion des stetigen Wachstums, das heißt die Gewissheit, dass die durch den Konsumboom bewirkten Einnahmen sich auch künftig auf einem hohen Niveau halten würden, war besonders in Spanien und Griechenland stark. Die Regierungen dieser Länder bemühten sich nicht, in guten Zeiten etwas zu sparen, und während der Krise führte das dann zu einem starken Anwachsen der öffentlichen Schulden.

    Die gemeinsame Währung besaß keinerlei Bedeutung für den Reichtum dieser Länder, was künftig ein Grund für die Ablehnung eines Beitritts zur Eurozone sein kann, meinen die Analysten.

    „Eine ökonomische Annäherung der Länder der Eurozone hatte eingesetzt, doch die Krise von 2008 vereitelte sie“, behauptet Raoul Rupparel, ein Experte des analytischen Zentrums Europe Open, dessen Worte die Zeitung zitiert.

    „Heute kann man allerdings behaupten, dass die Geldströme, die in die armen Länder der Eurozone gelenkt wurden, nicht richtig genutzt wurden, weshalb sie auch nicht zu einem wirtschaftlichen Aufschwung geführt haben“, resümiert die polnische Zeitung „Rzeczpospolita“.

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    Tags:
    Wirtschaftskrise, Euro, EU, Europäische Zentralbank (EZB), Raoul Rupparel, Portugal, Spanien, Griechenland, Italien