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06:31 15 Oktober 2019
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    Fleischimport nach Russland

    Fleisch als Beton getarnt: Moskau wirft EU-Lieferanten Tricks gegen Embargo vor

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    Wirtschaft
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    Unredliche Lieferanten aus Europa fälschen Unterlagen, um das Nahrungsmittel-Embargo zu umgehen, mit dem Russland die westlichen Sanktionen beantwortet. Doch EU-Beamte schauen oft darüber hinweg, wie der Chef der russischen Agraraufsicht, Sergej Dankwert, behauptet.

    Dankwert sagte in einem Interview mit der russischen Onlinezeitung gazeta.ru, Zehntausende Tonnen Nahrungsmittel seien seit einem Jahr in Russland als Schmuggelware beschlagnahmt worden: „Es ist schwer, präzisere Angaben zu liefern. Wir haben ja eine transparente Grenze zu Weißrussland und Kasachstan, dort gibt es weder Grenzsoldaten noch Zollbeamte. Eben über diese Grenze kommen die meisten Waren aus Europa.“

    Wie Dankwert berichtete, greifen Lieferanten oft zu Tricks, um den russischen Einfuhrverbot zu umgehen: „Sie tarnen ihren Schmuggel als Waren, deren Einfuhr erlaubt ist. Unsere europäischen Kollegen machen ein ehrliches Gesicht und schickten aus Rotterdam, Amsterdam oder Hamburg beispielsweise Fleisch als Betonmischung, Kaugummi und weitere Erzeugnisse. Das heißt, in der Zollerklärung ist eine Betonmischung angegeben, doch geliefert wird Schweinefleisch.“ 

    Überhaupt werden Fleisch und Fleischprodukte laut Dankwert am meisten geschmuggelt – mehr als 10.000 Tonnen davon wurden mittlerweile sichergestellt. Aber auch Obst, Gemüse und Blumen werden oft illegal eingeführt.

    Der russische Beamte sagte, die Zahl der Schmuggelversuche aus der Europäischen Union habe seit einem Jahr zugenommen: „Zertifikate, Zahlungsdokumente – all dies wir in der EU gefälscht. Wir haben uns dutzendmal an unsere Kollegen in Brüssel gewandt. Das darf doch nicht sein: So ein zivilisierter Zusammenschluss wie die EU schaut darüber hinweg, dass Dokumente und Zahlungen auf seinem Territorium gefälscht werden (…) Keine unserer Anfragen wurde beantwortet.“ 

    In diesem Zusammenhang wurde Dankwert direkt gefragt, ob europäische Zöllner aus seiner Sicht in Absprache mit unredlichen Geschäftsleuten handeln könnten. Er antwortete: „Das ist eine interessante Frage. Wir haben sie mit unseren Kollegen aus Brüssel dutzendmal besprochen und sind schon müde davon. Ein europäischer Zollbeamter nimmt Einblick in den Lieferschein – und alle anderen Unterlagen interessieren ihn nicht. Handelt es sich um einen Transit, darf man alles transportieren, was man will. Der Zöllner reagiert nur, wenn eine Ware aus seinem Land stammt und entsprechende Dokumente dazu vorliegen. Der Litauer prüft die litauischen Waren, der Pole die polnischen. Sonst reagieren sie nicht. Wenn Äpfel im Dokument als marokkanisch angegeben sind, wird kein polnischer Zöllner prüfen, ob das stimmt oder diese Äpfel vielleicht aus Polen kommen. So geht es, obwohl Polen zu den größten Apfellieferanten zählt. Wenn Äpfel als Transitware angegeben sind, lässt man sie durch.“

    Dankwert berichtete weiter über bürokratische Hürden: „Wir haben noch im Januar der EU vorgeschlagen, die Frage um Schweinefleisch zu regeln. Für diese Zwecke hätte Russland bilaterale Zertifikate mit jeweiligen EU-Ländern gebraucht. Doch die Europäer weigerten sich und pochten auf ein einheitliches Zertifikat für das ganze EU-Territorium (…) Sie politisieren derzeit diese Fragen und schaden dadurch ihren eigenen Geschäftsprojekten. 15 europäische Länder hätten bereits im Januar ihr Schweinefleisch an Russland liefert können. Doch die Europäer sagen nein und fordern eine einheitliche Regelung für alle EU-Mitglieder."

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    Tags:
    Einfuhrverbot, Schmuggel, Embargo, Lebensmittel, EU, Sergej Dankwert, Polen, Litauen, Russland