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    Wie Russland versucht, den Öl-Tropf loszuwerden

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    Wirtschaft
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    International gibt es derzeit mehrere Hürden für einen Anstieg der Ölpreise. Die Öl- und Gasgelder sind aber für Russland nach wie vor äußerst wichtig, indem sie nahezu die Hälfte aller Staatseinnahmen ausmachen. Prognosen für das Wirtschaftswachstum werden vor diesem Hintergrund pessimistischer, Experten mahnen zu ökonomischen Reformen.

    Wie die russische Onlinezeitung gazeta.ru am Montag schreibt, gibt es derzeit mehrere Faktoren, die den Ölpreis nach unten drücken. Die Ölförderung in den USA nimmt zu, auch eine Erhöhung der iranischen Ölexporte ist möglich. Investoren sind besorgt über das verlangsamte Wachstum der chinesischen Wirtschaft.

    Sofia Kirsanowa, Analystin von Raiffeisen Capital (Moskau), kommentierte: „Den Pessimismus schürt auch der jüngste Bericht von Goldman Sachs, wonach alle zugänglichen Lagerungs-Kapazitäten für Rohöl und Ölprodukte (einschließlich schwimmender Anlagen) gegen Jahresende voll sein könnten. Dies wird unumgänglich die Preise beeinflussen.“ Derzeit liegt der Ölpreis unter der 50-Dollar-Marke.

    Wie das Finanzministerium mitteilte, hatten die russischen Haushaltseinnahmen im ersten Halbjahr 2015 umgerechnet rund 88 Milliarden Euro betragen (ausgehend vom heutigen Wechselkurs). Die Öl- und Gas-Einnahmen machten dabei nach Angaben des Wirtschaftsministeriums 48 Prozent der gesamten Summe aus. Dieser Anteil ist allerdings kleiner als im Jahr zuvor (52 Prozent).

    Im Gegensatz zum vergangenen Jahr hat Russland derzeit aber auch ein Etatdefizit. Dieses betrug im ersten Halbjahr 2015 umgerechnet 12,7 Milliarden Euro. Wie Finanzminister Anton Siluanow prognostizierte, könnte die Neuverschuldung gegen Jahresende rund 35 Milliarden Euro erreichen, also 3,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. 

    Wichtig ist aber, dass die russische Nationalwährung derzeit wieder abwertet. Das heißt, wenn man die Exporteinnahmen gegen Jahresende in Rubel konvertiert, wird die Summe wahrscheinlich größer sein, als bisher angenommen. Analysten von Sberbank CIB erwarten letztendlich ein Etatdefizit von 2,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.   

    Doch selbst wenn die Neuverschuldung zurückgeht, will das Finanzministerium die Staatsausgaben in den Jahren 2016 und 2017 reduzieren. Zu dieser Reduzierung rät auch der Internationale Währungsfonds IWF. Aus seiner Sicht sollte Russland mittelfristig die Haushaltsausgaben um zwei bis drei Prozent des BIP senken, sonst könnten die finanziellen Reserven des Landes 2020 fast völlig ausgeschöpft sein. Derzeit sind im russischen Reservefonds sowie im sogenannten nationalen Wohlstandsfonds insgesamt umgerechnet 123 Milliarden Euro akkumuliert.

    Experten der russischen Alfa-Bank haben ihre Prognose für die russische Wirtschaft korrigiert und pessimistischer gestaltet: Die Wirtschaft soll im kommenden Jahr um nur 0,3 Prozent wachsen – und nicht um 1,5 Prozent, wie bisher prognostiziert.

    Zum Schluss kommentiert gazeta.ru: „Selbst unter Berücksichtigung der vom Finanzministerium geplanten Reduzierung der Staatsausgaben ist es notwendig, den Anteil der Öl- und Gasgelder im Staatshaushalt mehr oder weniger greifbar zu senken, damit die Wirtschaft wieder wächst. Doch das liegt noch in weiter Ferne (…) Experten mahnen im Einklang zu Reformen (vielen ist es inzwischen sogar egal, ob diese Reformen rechts- oder linksorientiert sein werden). Sonst wird es nicht möglich sein, ein nachhaltiges Wachstum zu erzielen.“

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    Tags:
    Erdgas, Erdöl, Alfa-Bank, IWF, Sberbank, Finanzministerium Russlands, Goldman Sachs, Raiffeisen Capital, Anton Siluanow, Sofia Kirsanowa, USA, Russland