21:12 24 September 2020
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    Die Agentur Moody's erwartet keine Erholung der russischen Wirtschaft im kommenden Jahr. Russische Experten finden die Prognose zwar realistisch, weisen aber auf zahlreiche Nebenfaktoren hin, die die Situation beeinflussen. Vor diesem Hintergrund wagen sie keine präzisen Vorhersagen und schließen ein Wachstum doch nicht aus.

    Die Ratingagentur Moody's geht davon aus, dass die russische Wirtschaft im laufenden Jahr um drei Prozent schrumpfen wird. Im kommenden Jahr erwartet die Agentur ein Nullwachstum. Die Agentur bezieht sich auf die Angaben der russischen Statistikbehörde Rosstat, wonach das nationale Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal 2015 um 4,6 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahrs zurückgegangen war.

    Timofej Sergejzew
    © Sputnik / Wladimir Trefilow
    Wie die „Rossijskaja Gaseta“ am Montag schreibt, sind die negativen Faktoren für die russische Wirtschaft tatsächlich nicht abzustreiten. Der Ölpreis ist niedrig und schwankt um die 50-Dollar-Marke. Deswegen könnte die Inflationsrate in Russland zunehmen, das Volumen der Investitionen zurückgehen.

    Boris Chejfez, Chefforscher des Wirtschaftsinstituts der Russischen Akademie der Wissenschaften, sagte dem Blatt, in mancher Hinsicht sei die Moody's-Prognose realitätsnah: „Wenn die Investitionen zurückgehen, gibt es kaum Gründe für ein Wachstum. Dieses könnte vielleicht aus einer Steigerung der Arbeitsleistung resultieren, doch eine solche Steigerung setzt wiederum Investitionen voraus.“

    Der Forscher betonte allerdings: „Meine Haltung zu Prognosen ist derzeit sehr vorsichtig. Die Weltbank hat beispielsweise ihre Prognose für das laufende Jahr bereits dreimal korrigiert. Das russische Wirtschaftsministerium hat das wohl noch öfter getan (seine Prognosen sind freilich multivariat). Sehr viele Prognosen treffen derzeit überhaupt nicht zu.“

    „Es gibt viele (vor allem geopolitische) Nebenfaktoren, die schwer zu bewerten sind. Kürzlich habe ich eine interessante Äußerung gehört: In Russland sind jetzt keine präzisen kurz- und mittelfristigen Prognosen möglich. Prognosen für 300 Jahre sind dagegen sehr leicht zu liefern – vieles trifft zu“, so Chejfez ironisch.

    Walerij Mironow, Experte der in Moskau ansässigen Higher School of Economics, stimmt ihm zu: „Zwar ist die Moody's-Prognose angesichts der internationalen Erfahrungen durchaus realistisch. Doch im Hinblick auf die russischen Erfahrungen und die russischen Wirtschaftsverhältnisse habe ich meine Zweifel daran, dass diese Prognose mit einer hundertprozentigen Präzision in Erfüllung gehen wird.“

    Mironow weist ebenfalls auf geopolitische Faktoren hin: „Es ist nicht klar, ob die Sanktionen gegen Russland im Januar aufgehoben oder um ein Jahr verlängert werden. Das beeinflusst sehr ernsthaft die Situation. Auch Moody's macht darauf aufmerksam.“

    Der Experte berief sich auf zahlreiche Studien aus den 2000er Jahren, wonach die Wirtschaft ein Jahr nach der Abwertung der Nationalwährung gewöhnlich etwas zunimmt: „Davon ausgehend wäre ein Wachstum doch möglich – wenn auch gering.“

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    Tags:
    Sanktionen, Moody’s, Russland, Moskau