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    Islamisches Banking in Deutschland: Koran-widrige Geschäfte sind tabu

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    Wirtschaft
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    Das im Nahen Osten und in Südostasien verbreitete islamische Finanzsystem erlebt jetzt ein ernsthaftes Wachstum. Langsam aber sicher kommt das Islamische Banking, dessen Normen Wucher verbieten, nun auch nach Deutschland.

    Eine islamische Bank orientiert sich an den Regeln des Korans. „Es ist eine Art der Wirtschaft, wo es gesündere Beziehungen zwischen dem Investor und jenen gibt, die diese Investitionen erhalten“, erläuterte im Interview für Sputniknews Farhad Saidi, Ratsvorsitzender der Asia-Bank. „Im traditionellen Banking gibt ein Kreditinstitut Geld und sagt: ‚Mir ist egal, was aus Ihnen und Ihrem Business wird, ich brauche 15 Prozent und die Schulden.‘ Im Islamischen Banking betrachtet sich die Bank als Partner, als Mitinvestor des Empfängers dieser Investitionen. Deshalb tragen sie Gewinn und auch Verlust gemeinsam.“

    Der Gewinn im Islamischen Banking sein nicht kleiner und nicht größer, erklärte Saidi. Die Bank müsse wissen, wofür ihre Mittel verwendet werden und in welchem Maße ihr Empfänger kompetent sei. Die Investition müsse auch für die Gesellschaft nützlich sein.

    „Wird Geld zur Eröffnung eines Casinos gebraucht, wo der Gewinn doppelt so hoch sein wird, so wird das nicht akzeptiert“, sagte Saidi. Denn es gebe hier zwar Gewinn für die Bank, aber nicht für die Gesellschaft. Casinos sind nicht das einzige Geschäft, das für das Islamische Banking tabu ist. Dazu gehören auch Tabak- und Alkoholläden, Handel mit Schweinefleisch, aber auch Rüstungsindustrie.

    Die erste islamische Bank auf deutschem Boden und in der Euro-Zone insgesamt ist die KT Bank AG, eine Tochter der kuwaitisch-türkischen Kuveyt Türk Bank. Es dauerte lange 27 Monate, bis die Finanzsaufsicht grünes Licht gab und der Eröffnung der  ersten Filiale zustimmte. Für sich selbst sieht die Bank ein großes Potenzial in Deutschland. Bislang nehmen rund fünf Prozent von den 4,3 Mio. Muslimen in der Bundesrepublik das Islamische Banking in Anspruch.  Doch damit begrenzt sich die potenzielle Kundschaft nicht.

    „Deutschland ist ein stabiles Land, wo wir unsere Zentrale gerne sehen. Wir wollen allerdings nicht nur in Deutschland, sondern auch künftig in anderen europäischen Ländern tätig sein. Wir haben für uns  eine fünf Jahre lange Etablierungsphase hier in Deutschland vorgesehen. Unser weiteres Ziel ist Frankreich, wo 6,5 Mio. Muslime leben“, erklärte Kemal Ozan, Chairman of the Management Board der KT Bank AG, im Gespräch mit Sputniknews.

    Er betonte, dass seine Bank nicht nur Muslime anspricht, sondern alle Kunden, die sich für nachhaltige Produkte interessieren. „Wir wollen überwiegend kleine und mittelständische Unternehmen unterstützen. Einige davon sind Familienunternehmen, denen oft unterstellt wird, dass sie nicht professionell verwaltet werden. Dem stimme ich nicht zu. Das Bankengeschäft wird immer komplizierter, so ist es für viele kleine und mittelständische Unternehmen schwierig, sich daran anzupassen. Unser Modell ist dagegen einfacher und verständlicher“, sagte Kemal Ozan.

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    Tags:
    Banken, Islam, Koran, Euro, Kuveyt Türk Bank, KT Bank AG, Asia-Bank, Kemal Ozan, Farhad Saidi, Deutschland, Asien, Nahosten