05:55 26 Oktober 2020
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    Energie-Experte Nick Butler hat in der Zeitung „Financial Times” die Zukunft der globalen Energiewirtschaft umrissen. Butler konstruierte einige Nachrichten, die in der Zukunft durchaus Realität werden könnten.

    Viele Energiebranchen, die derzeit erfolgreich und prosperierend sind, haben häufig keine Vorstellung davon, wie ihre Rolle in der Zukunft aussieht. Angesichts dessen ist es wichtig, die Welt freier zu betrachten. Wichtig sind Überlegungen, wie die Welt in zehn Jahren aussehen könnte und in welchen Fällen die Realität und die Erwartungen auseinandergehen könnten, um langfristige Prognosen zu erstellen, so Butler in seinem Beitrag.

    1.    Moskau. ShellGaz, das weltweit größte Energieunternehmen nach dem FTNikkei-Ranking, erklärt die Wiederaufnahme des Baus von Eaststream-3, des letzten Projekts der Serie, das den Gasexport aus Ostsibirien sichert. Eaststream-3 wird Gas an die rasant wachsenden Städte im Norden Indiens liefern. ShellGaz wurde 2017 nach der Fusion von Royal Dutch Shell und Gazprom ins Leben gerufen und ist das erste Ergebnis der russisch-europäischen Kooperation gemäß des Abkommens zur Föderalisierung der Ukraine.
    2.    Großbritannien. Regierungschefin Amber Rudd verkündet, dass das AKW Hinkley Point, dessen Bau wegen technischer und finanzieller Probleme sich in die Länge zog, zum Jahresende in Betrieb genommen wird.
    3.    Deutschland avanciert zum größten europäischen Energieexporteur, der Wind- und Sonnenenergie nach Mittel- und Osteuropa liefert. Als Teil des ab 2018 gültigen Plans zur europäischen Integration wird diese Energie dank einer einheitlichen Energiepolitik gegen den Selbstkostenpreis geliefert. Wegen des Anstiegs der Erneuerbaren Energien sinkt die Abhängigkeit Europas von Importen.
    4.    Wegen der andauernden Instabilität in Nigeria und Venezuela steigen die Ölpreise fast auf 75 US-Dollar. 2016 wurde der langfristige Preisrückgang durch den Beschluss Saudi-Arabiens stabilisiert, sich Abu Dhabi und Kuwait bei der Drosselung der Förderung anzuschließen. Der Preisanstieg wird jedoch durch das Überangebot in Kanada, Russland, im Iran und Brasilien eingedämmt. Die globale Ölnachfrage erreichte bereits 2019 ihren Höhepunkt und liegt nun bei 97 Millionen Barrel – das Wachstum des Verbrauchs in Asien wird durch den Rückgang in Europa und in den USA kompensiert.
    5.    Chicago. Die Spitzenkandidatin der Demokraten bei der Wahl 2028, Chelsea Clinton, betont, dass ihre Priorität die Energie-Unabhängigkeit der USA ist, die sich auf den Import aus Mexiko und Kanada und die Erhöhung der Ethanol-Produktion aus Getreide in Iowa stützt.
    6.    Die Kohlepreise sinken auf den tiefsten Stand seit 40 Jahren, weil die Nutzung von Kohle durch Gesetzeseinschränkungen der USA und Europas reglementiert wird. Kohle bleibt die wichtigste Energiequelle in Indien und vielen anderen Schwellenländern.
    7.    Der Klimawandel bleibt die wichtigste ungelöste Frage wegen der intensiven Nutzung von Kohle, doch das größte Problem sind weiterhin die extremen Wetterverhältnisse. Singapur erklärt den Baubeginn eines 40-Kilometer langen Lee-Kuan-Yew-Walls um die Insel – die Höhe des Walls kann je nach Überschwemmungsrisiko geändert werden.
    8.    In Peking wurde ein erfolgreiches Projekt zur Energieakkumulation gestartet, das die Materialien aus Graphen nutzt, womit die Energieeffizienz um 50 Prozent erhöht werden kann.
    9.    Das zweitgrößte Energieunternehmen der Welt, Amazon Power, setzt seine Expansion fort und verdrängt andere Lieferanten. Amazon ist kein Erzeuger, sondern ein Aggregator von Strom. Seine Marktdominanz stößt bei Energieexperten und Zivilgesellschaft auf Kritik. Sie alle klagen über die weit verbreiteten Amazon-Boxen – Geräte, die den Energieverbrauch von allen Anlagen in Häusern, Büros und Fabriken kontrollieren.
    10.    Zur Chefin eines der weltweit größten Energieunternehmen wird eine Frau.

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