19:43 21 Februar 2018
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    Europas Investments in Russland: Bahnt sich ein Neustart an?

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    Wirtschaft
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    Investoren aus über 25 Ländern, darunter auch aus Deutschland, sind vom 1. bis zum 4. Oktober zum Internationalen Investitionsforum im russischen Schwarzmeer-Kurort Sotschi zusammengetroffen. Bei den Diskussionen ging es schwerpunktmäßig um die Suche nach Wegen zurück zum Wachstum und zu einem Neustart der russisch-euroatlantischen Beziehungen.

    Auf einer Fläche von 10.000 Quadratmetern präsentierten nahezu alle Regionen Russlands ihre Investitionsprojekte. Aus Deutschland, das seit eh und je zu den wichtigsten Investitionspartnern Russlands gehört, hätten mehr Unternehmer kommen können, bedauert Dr. Hans-Joachim Bäumler, Geschäftsführer von integra europe, im Interview für Sputniknews.

    „Ich bin etwas enttäuscht, dass so wenig deutsche Unternehmensvertreter hier sind, weil hier in diesem Jahr wie in den letzten Jahren ein Markt der Möglichkeiten gegeben wird. Gerade zu Zeiten, wo internationale Konflikte oder sehr viele Meinungsverschiedenheiten zwischen den Ländern existieren, sollte man nicht nur aufeinander hören, sondern auch zusammenarbeiten“, so Bäumler.

    Wladimir Putin und auch Premierminister Dmitri Medwedew haben Schwerpunkte genannt, dass es jetzt zur Chefsache gemacht wird, noch stärker zu investieren als in der Vergangenheit, betonte der Unternehmer. Er denke an die Entwicklung der Eurasischen Union, an die starken Partner wie Weißrussland und Kasachstan. „Da kommt noch auf uns etwas zu, und man soll die Zeit nicht verschlafen“, meinte Bäumler. Die Entwicklung habe gezeigt, dass Sanktionen nur den treffen, der es nicht verdient hat. Es gibt eigentlich keine Gewinner, bis auf den über dem Ozean. Die Wirtschaft sei ein ehrlicher Gradmesser dafür, dass man hier die Marktmöglichkeiten gepaart mit russischen, deutschen und europäischen Innovationen nutze. Und man solle sich von außen nicht immer etwas einreden lassen, sondern man sollte die Potenziale weiter entwickeln.

    Politische Situation überwinden

    Für eine Überwindung der politischen Situation sprach sich auch Stefan Albat, Leiter der Abteilung Wirtschaftspolitik der bayerischen Wirtschaft vbw, beim Forum aus. „Offensichtlich ist auf allen Seiten erkannt, dass wir strategische Partnerschaften entwickeln müssen. Nicht nur im sicherheitspolitischen Bereich sondern auch in der Wirtschaft“, so Albat gegenüber Sputniknews. „Wenn ich mir die Handelsbeziehungen zwischen Russland und Bayern anschaue, dann haben wir an Importen aus Russland nach Bayern 90 Prozent Erdöl, Erdgas, Rohstoffe. Das bayerische Exportvolumen nach Russland sind 25 Prozent Maschinen und Anlagebau, 20 Prozent spezialchemische Produkte, und noch 25 Prozent Automobile. Im Jahre 2014 hatten wir etwa 15 Prozent weniger im Russland-Geschäft. Bis jetzt im Jahre 2015 etwa 30 Prozent weniger“, bemerkte er.

    USA an Russland-Europa-Beziehungen nicht interessiert

    Die Partnerschaft Deutschland-Russland habe sich seit langem bewährt, meint auch Walter Neumann, geschäftsführender Vorstandsvorsitzender von AZIMUT Hotel, im Interview für Sputniknews. „Die Linie Deutschland-Russland gibt es seit Jahrhunderten, sie hat sich bewährt. Das muss so weiter gehen. Für mich ist es ein Traum, dass Europa und Russland viel näher zusammenkommen und jeder seine Stärken miteinbringt, z.B. Russland mit seinen Ressourcen, Deutschland mit seiner Logistik. Daraus könnte ein superhohes Potenzial entstehen.“

    „Wer natürlich nicht daran interessiert ist, das sind unsere Freunde aus Amerika, weil da würde sich ein Block von Wladiwostok nach Lissabon ergeben, der so eine Stärke hätte, dass Amerika nicht mehr die Rolle hätte, die es jetzt gerne spielen würde“, so Neumann. Er glaube, dass gerade jetzt verschiedene Möglichkeiten entstehen, die die Sanktionen aufbrechen werden. „Es gibt hier seit kurzem wieder ein Licht am Ende des Tunnels. Durch die Rate, die der Rubel im Moment hat, lohnt sich das Russland-Geschäft extrem für ausländische Investoren“, fügte Neumann hinzu.

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    Tags:
    Erdgas, Erdöl, Walter Neumann, Dmitri Medwedew, Wladimir Putin, Hans-Joachim Bäumler, USA, Sotschi, Deutschland, Russland
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