20:22 15 Dezember 2019
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    Saudi-Arabien holt offenbar zum Schlag gegen Ölpreise aus

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    Wirtschaft
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    Dass Saudi-Arabien immer mehr Ölreserven akkumuliert, könnte die Preise laut Experten nach unten drücken. Offenbar nehmen die Saudis dabei europäische Verbraucher stärker ins Visier, was zusätzliche Nachteile für Russland bedeuten würde. Falls die Befürchtungen zutreffen, steht den russischen Ölexporteuren eine schwierige Wahl bevor.

    Alexej Kokin, Analyst der russischen Uralsib-Bank, betrachtet die ständige Zunahme der saudischen Ölreserven als beunruhigendes Signal für den Weltmarkt. Kokin sagte der Onlinezeitung gazeta.ru: „Im Gegensatz etwa zu China, das ebenfalls Ölreserven akkumuliert, ist Saudi-Arabien kein Ölimporteur. Seine Vorräte sind nicht zum eigenen Gebrauch bestimmt. Früher oder später kommen sie auf den Markt. Dies wird die Balance von Nachfrage und Angebot weiter stören und Preise nach unten drücken.“

    Wie die Agentur Bloomberg unter Berufung auf das Öldaten-Projekt JODI meldete, hatten die saudischen Rohöl-Reserven im August 326,6 Millionen Barrel erreicht. Das ist sechs Millionen Barrel mehr als im Juli und ein Rekordhoch seit 2002. Der Ölexport aus dem Königreich sank dabei im Vergleich zum Juli um 3,8 Prozent auf knapp sieben Millionen Barrel täglich. Auch die Ölförderung ging um 0,9 Prozent zurück.

    Kokin kommentierte weiter: „Wahrscheinlich warten die Araber auf günstigere Verträge, um ihren Anteil am Weltmarkt zu erhöhen. Dabei wird es in diesem Fall eher um Lieferungen nach Europa gehen.“

    Ein Mitarbeiter der Ölbranche hatte in der vergangenen Woche gegenüber gazeta.ru gesagt, europäische Ölraffinerien seien in letzter Zeit dabei, saudisches Öl aktiv zu kaufen. Das saudische Angebot sei so preiswert, dass man es dem russischen vorziehe, hieß es. Die Onlinezeitung kommentierte: „Dies wäre ausgerechnet für Russland  besonders gefährlich, das dann entweder seine Exportpreise senken oder seine Präsenz am europäischen Energiemarkt reduzieren müsste.“

    Der russische Analyst Witali Jermakow von Sberbank CIB erwartet weitere Turbulenzen am Ölmarkt, solange es keinen klaren Markttrend gibt. Denn aus den maßgeblich wichtigen Ländern wie China kommen derzeit zu widersprüchliche Nachrichten. Das chinesische Bruttoinlandsprodukt stieg im dritten Quartal etwas mehr als erwartet, doch das Industriewachstum war dabei geringer als die Prognosen versprachen.

    Die US-Ölförderung sank unterdessen in der vergangenen Woche um 76.000 Barrel täglich. „Das ist ein weiterer Beleg dafür, dass es den US-Anbietern schwer fällt, bei heutigen Preisen zu arbeiten. Das Übermaß an Öl- und Ölprodukten-Reserven ist in den USA nach wie vor groß. Doch die Reparaturphase an US-Ölraffinerien ist bald zu Ende. Die Nachfrage durch diese Raffinerien soll im November für mehr Balance am Ölmarkt sorgen“, so Jermakow.

    Generell prognostiziert er: „Die Unentschlossenheit von Marktteilnehmern bleibt wahrscheinlich bestehen – genauso wie eine erhöhte Preis-Volatilität um die 50-Dollar-Marke, bis ein Nachfrage- oder Angebotsfaktor entsteht, der stark genug wäre.“

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    Tags:
    Öl, Witali Jermakow, Alexej Kokin, Russland, USA