04:56 11 Dezember 2017
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    Deutsche Bank in Frankfurt

    Finanzexperte: US-Ermittlungen gegen Deutsche Bank mit erheblichem Risiko verbunden

    © REUTERS/ Kai Pfaffenbach
    Wirtschaft
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    Im Skandal um Geldwäsche in Russland bei der Deutschen Bank ist jetzt ein hochrangiger Manager in Verdacht. Das US-Justizministerium und die Finanzbehörde von New York, die in der Sache schon länger ermitteln, prüfen, ob die Deutsche Bank in Russland gegen Sanktionen verstoßen hat.

    Der Fall sei "ein erhebliches, unkalkulierbares Risiko für die Deutsche Bank", sagte ein Börsenmakler. Die Aktie verlor als Reaktion auf die Affäre knapp zwei Prozent an Wert.

    "Der Deutschen Bank wird vorgeworfen, dass gegen die Sanktionen die gegen einzelne Personen aus Russland verhängt worden sind, verstoßen worden ist“, kommentierte Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, in einem Sputniknews-Gespräch mit Bolle Selke. „Der Geldwäschevorwurf steht hier im Vordergrund, Spezifikationen hierzu sind im Moment nicht zugänglich. Es hat Personalmaßnahmen als Folge dessen seitens der Deutschen Bank gegeben, insofern scheint hier im erweiterten Sinn etwas an diesen Vorwürfen dran zu sein.“

    „Nichtsdestotrotz wird die Frage schon aufgeworfen,  inwieweit eben hier diskretionäre Unternehmenspolitik durch supranationale Geopolitik wesentlich eingeschränkt wird — das übrigens auch vor dem Hintergrund, dass es nach wie vor Sanktionen gegen den Iran gibt, aber US-Unternehmen schon aktiv sind, während beispielsweise deutsche Unternehmen im Iran noch nicht dürfen. Wir haben es hier also immer wieder mit einer gewissen Asymmetrie in der Anwendung von internationalen Grenzgesetzmäßigkeiten zu tun, wo sich die USA offensichtlich latent Sonderrechte gegenüber dem Rest der Welt genehmigen.“

    Wie der Experte betonte,  wirft dies Fragen der Glaubwürdigkeit auf. "Fakt ist, wenn europäische Unternehmen so etwas tun, dann wird es meist teurer als im Vergleich wenn es US-Firmen tun."

    "Es irritiert in der Tat, dass die USA und nicht die EU ermitteln, im Endeffekt sind wir ein selbstständiger politischer Raum und insofern sollte das  sehr wohl hier in Europa verfolgt werden.“ Damit hänge die Frage der Zuverlässigkeit des US-Dollars als der Leitwährung zusammen. „Die USA behalten sich eben diese Maßnahmen vor, sofern Unternehmen in den USA selbst Geschäfte treiben, oder im Rahmen dieser vorgeworfenen Maßnahmen sich der Währung des US-Dollars bedient haben. Ultimativ bedeutet das übrigens, dass die Benutzung der noch-Welt-Leitwährung US-Dollar mit extrem hohen Risiken verbunden ist und insofern darf man die Frage stellen, ob nicht genau diese Politikansätze den Weltleitwährungsstatus des US-Dollars mittel- oder langfristig untergraben werden."

    "Für mich bleibt das Thema Wachstumsmärkte im Osten wichtig. Ich schaue dann Richtung Russland, ich schaue dann Richtung China, ich schaue dann Richtung Indien, dann sehe ich das Projekt Seidenstraße, den Aufbau der Infrastruktur im eurasischen Raum — die größte Wachstumsstory der nächsten Jahre“, betont Folker Hellmeyer. „Damit verbauen wir uns die Chancen, an diesen Märkten teilzunehmen. Im Endeffekt wirkten diese Sanktionen so, dass über die von den USA induzierte Sanktionspolitik die EU ganz wesentlich eingeschränkt wird von diesen Entwicklungen in diesem Wirtschaftsraum bei der Eurasischen Union zu profitieren."

    "In der Tat — und ich hatte das am Beispiel Iran deutlich gemacht — stellt man fest, dass auf der einen Seite Sanktionen implementiert werden, aber auf der anderen Seite die USA nicht ganz so zimperlich sind, sich auch daran zu halten. Um es konkret zu machen, die Wirtschaftsdelegation, die jetzt von Niedersachsen im Iran war, hat schon verwundert geschaut, dass Unternehmen wie Boeing oder General Electric längst im Iran tätig sind, obwohl unseren Unternehmen genau dieser Zugang verwehrt wird. Hier werden sich komparative Vorteile, auch im Rahmen von asymmetrisch angewandter Sanktionspolitik durch die USA verschafft“, so der Experte abschließend.

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    Tags:
    Sanktionen, EU, Deutsche Bank, Russland, Deutschland, USA