19:02 15 Dezember 2017
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    Griechenland: „Bleibt das Land im Klub der Reichen?“ – Experte

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    Die Flüchtlingskrise macht die Situation um das griechische Schuldenproblem kaum einfacher, eher im Gegenteil, wie Theocharis Grigoriadis vom Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin meint.

    Das verschuldete Land muss 48 Reformziele erreichen, um zwei Milliarden Euro Hilfsgelder zu bekommen.  Wegen der Flüchtlingskrise verzögern sich aber wichtige Reformmaßnahmen, so im Interview für Sputniknews.

    Jede Krise bringe Chancen auf Verbesserungen, sie könne aber auch die Situation verschlechtern. „Griechenland sollte seine eigenen Staatskapazitäten verbessern. Die Frage besteht nicht darin, dass Griechenland mehr europäische Mittel für die Unterbringung der Flüchtlinge kriegt, sondern es kommt darauf an, was Griechenland bereit ist zu machen, um die Flüchtlinge aus Syrien zu unterstützen“, betont der Experte. „Griechenland braucht sicherlich Arbeitskräfte, aber bisher ist die Regierung nicht bereit, die Flüchtlinge langfristig unterbringen zu lassen. Diese Frage wird Griechenlands Rolle in der Krise bestimmen.“

    Die Verzögerung in dieser Frage habe eher politische Gründe: Die Linke aus der Koalition sei pro Flüchtlinge, die konservative Rechte sei dagegen.

    Was die Reformen angeht, gehen sie dem Experten zufolge in die richtige Richtung: „Die Reformen allein sind aber nicht genug. Was man anstreben muss, ist die Stabilität des Finanzsystems und des Banksektors. Griechenland muss den öffentlichen Sektor allmählich verkleinern und Bedingungen für neue Jobs im Privatsektor schaffen.“ 

    Wenn Griechenland so voran mit den Reformen gehe, dass man seriös über eine Umstrukturierung der griechischen Schuld sprechen könne, werde dies für Grigoriadis einen Game Changer bedeuten und ein Ende der Rezession.

    Ein Grexit sei ihm zufolge jetzt nicht ausgeschlossen, aber er sei kein sehr wahrscheinliches Szenario und auf jeden Fall nicht das einzige schlimme: „Griechenland kann noch ärmer werden und mehr soziale Konflikte haben. Die große Herausforderung ist jetzt nicht, ob Griechenland in der EU bleibt oder nicht, sondern ob es noch den Status eines reichen Landes, eines Landes der Organisation für Wirtschaftskooperation und Entwicklung haben kann“, sagt  Theocharis Grigoriadis.

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