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21:03 19 Juli 2019
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    Deutsche Börse in Frankfurt, Mitglieder im Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft

    Deutsche Unternehmer: Partnerschaft mit Russland Sanktionskrieg zum Trotz

    © REUTERS / Staff
    Wirtschaft
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    Laut Medienberichten will die EU im Dezember die Sanktionen gegen Russland ein weiteres Mal um sechs Monate verlängern, deutsche und russische Wirtschaftsvertreter plädieren hingegen für ein Ende des Handelskriegs. In einem Interview mit SputnikNews erklärte ein deutscher Unternehmer, welche Folgen die Sanktionen mit sich gebracht haben.

    Vor einigen Tagen sorgten die Worte des stellvertretenden Hauptgeschäftsführers des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Volker Treier, für einen Hoffnungsschimmer inmitten des russisch-europäischen Handelskriegs.

    „Seit einem Jahr werden Kreml und die EU mit Sanktionen überzogen. Wirtschaftsvertreter aus Russland und Deutschland fordern nun ein Ende des Handelskriegs“, wird Treier vom Spiegel zitiert.

    Deutsche Unternehmen seien darauf gefasst, „auch unter einem Sanktionsregime“ die Geschäftsbeziehungen mit Russland zu pflegen, betonte er.

    Zu einem „Einstieg in den Ausstieg“ der Russlandsanktionen hat aber auch der Chef des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, Eckhard Cordes, aufgerufen.

    Beim Deutsch-Russischen Wirtschaftsdialog in Berlin bestärkte Cordes, die deutsche Wirtschaft erleide aufgrund der Sanktionen hohe Verluste, da Russland seinerseits mit Gegensanktionen reagiert hatte. Im Vergleich zu 2012 habe sich das bilaterale Handelsvolumen für 2015 voraussichtlich um ganze 17 Milliarden Euro halbiert.

    Sanktionen seien dabei nicht in der Lage, politischen Probleme zu lösen, betonte Cordes im Handelsblatt-Interview. 

    „Europa und Russland gehören strategisch zusammen.“, fügte er hinzu.

    In einem Gespräch mit Sputnik erklärte der deutsche Wirtschaftsvertreter Olaf Brauer, Geschäftsführer von „Mechanik Taucha Fördertechnik GmbH“, welche Folgen diese Sanktionen für sein Unternehmen und ganz Deutschland gebracht haben und was bei bleibendem Konfrontationskurs seitens der EU zu erwarten ist:

    „Natürlich haben wir große Probleme bekommen, nachdem die Sanktionen gegen Russland ausgesprochen wurden. Im Februar 2015 habe ich in mehreren Interviews auf die zu erwartende Dramatik für die deutsche Wirtschaft hingewiesen und die Politik angemahnt, mit Diplomatie und weiteren Gesprächen den wirtschaftlichen Faden zwischen Russland und Deutschland nicht zu zerreißen“, berichtet Brauer.

    Dies sei jedoch geschehen, was für sein Unternehmen für 2015 „ganz konkret 3 Mio. € weniger Russlandgeschäft“ bedeute. 

    Die Firma könne bis heute keinerlei Geschäfte mehr mit Russland machen, was zwanghaft zu einer Entlassung von 8 Mitarbeitern geführt habe. Sollten die Gespräche zwischen Moskau und Brüssel nicht wieder in Gang kommen, seien weitere negative Auswirkungen zu erwarten – die nächsten 5 Jahre würden in diesem Fall zu völlig unnormalen Wirtschaftsverhältnissen führen, betont er.

    „Ich kann die russischen Wirtschaftsvertreter verstehen, wenn diese andere Kontakte in Richtung Indien oder China aufbauen. Funktionieren diese Kontakte gut, sind wir ganz weg vom Fenster der Zusammenarbeit“, so Brauer.

    Womöglich werden diese Prognosen bald zur bitteren Realität: Anfang der Woche hatte das Handelsblatt unter Berufung auf eine Quelle in der EU-Spitze berichtet, dass die EU im Dezember die Sanktionen gegen Russland noch einmal um sechs Monate verlängern will, wobei diese Maßnahme voraussichtlich beim EU-Gipfel am 18. Dezember beschlossen würde.

    Russland könne vorerst nicht mit einem Ende der EU-Sanktionen rechnen, unterstrich auch der Russlandbeauftragte der Bundesregierung und SPD-Politiker Gernot Erler in einem Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung.

    „Ein Auslaufen der Sanktionen erscheint kaum vorstellbar, solange die Ukraine die ukrainisch-russische Grenze nicht selbst kontrolliert“, so Erler.

    Die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen haben sich wegen der dramatischen Vorgänge in der Ukraine verschlechtert. Ende Juli 2014 verhängten USA und EU gegen ganze Wirtschaftszweige Russlands Sanktionen. Im Gegenzug verbot Russland im August 2014 die Einfuhr mehrerer Arten von Lebensmitteln aus den USA, der EU, Kanada, Australien und Norwegen.

    Die Außenminister der EU-Länder hatten am 22. Juni die Wirtschaftssanktionen gegen Russland bis zum 31. Januar 2016 verlängert. Der Beschluss war am 23. Juni in Kraft getreten. Daraufhin versprach der russische Regierungschef Dmitri Medwedew, das Kabinett werde dem Präsidenten umgehend auch eine Verlängerung der Gegensanktionen vorschlagen.

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    Tags:
    Wirtschaft, Wirtschaftskrise, Sanktionen, EU, Volker Treier, Eckhard Cordes, Gernot Erler, Europa, Deutschland, Russland