02:28 24 Oktober 2017
SNA Radio
    ISS-Segment und Progress-Raumfrachter im All

    Russland tüftelt an drahtloser Strom-Übertragung per Laser im All

    © Foto: Roskosmos/Fedor Yurchikhin
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    0 57471523

    Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos will einem Zeitungsbericht zufolge einen Laser im Weltraum testen, um Strom drahtlos zu übertragen. Dadurch könnten Satelliten und Raumschiffe zusätzlich mit Energie versorgt werden. Bisher wurden eher andere Methoden in Erwägung gezogen – wie etwa Treibstoff-Transporte ins All.

    Wie die russische Tageszeitung „Iswestija“ am Montag berichtet, zielt das geplante Experiment darauf ab, Strom vom russischen ISS-Segment mit Hilfe eines Laserstrahls drahtlos an einen Progress-Raumfrachter zu übertragen. Die Aufgabe übernimmt der russische Raketenkonzern Energia. Dessen Fachleute testen bereits die Technologie.

    Der zuständige Ressortchef des Konzerns, Wjatscheslaw Tugajenko, sagte dem Blatt: „Die führenden Labore des Landes nehmen an dem Projekt teil. Wir haben inzwischen photoelektrische Anlagen, um den Strahl zu empfangen und umzuformen. Ihre Effizienz erreicht rund 60 Prozent. Um die Lenkung des Strahls zu justieren, mit Hilfe eines Laserstrahls drahtlos hat das Unternehmen auf seinem Gelände eine Versuchsstrecke eingerichtet. Die Distanz zwischen dem Emitter und dem Empfänger beträgt dabei 1,5 Kilometer. Das System funktioniert erfolgreich im Experimentalmodus.“

    Der Wirkungsgrad des ganzen Projekts soll nach Einschätzung des Konzerns zehn bis 20 Prozent betragen, möglich wäre auch eine Erhöhung auf 30 Prozent. „Nach den ursprünglichen Forschungen sind wir zu dem Schluss gelangt, dass ein Experiment im All machbar ist. Die Distanz zwischen der ISS und dem Progress-Frachter soll einen bis zwei Kilometer betragen“, so Tugajenko.

    Die Entwickler gehen davon aus, dass diese Methode der Energieübertragung neue Optionen für die Erschließung des Weltraumes ermöglicht. Es wird ja längst daran getüftelt, wie Satelliten und Raumschiffe im All zusätzlich mit Energie versorgt werden könnten.

    Vorerst kommen meistens andere Methoden in Betracht. Im Februar 2014 hatte die NASA etwa im Rahmen des Projekts PROxiTT auf der Erdoberfläche ein Roboter-System getestet, das Satelliten im All mit Treibstoff nachtanken soll. Zuvor hatte es Berichte über einen Vertrag zwischen Intelsat und dem kanadischen Unternehmen MDA gegeben. Demnach soll ein spezieller Raumfrachter gebaut werden, um zwei Tonnen Treibstoff ins All zu bringen und geostationäre Satelliten nachzutanken. Bislang kam jedoch kein solches Raumschiff zum Einsatz.

    Der russische Raumfahrt-Experte Andrej Ionin weist darauf hin, dass ein Nachtanken im All nicht unbedingt wirtschaftlich zweckmäßig wäre: Der Treibstoffmangel ist ja nicht das akuteste Problem – zumindest für Kommunikationssatelliten.

    „Geostationäre Satelliten mit elektrischen Raketentriebwerken haben eine Betriebsdauer von 20 Jahren – ihre Ausrüstungen veralten und fallen früher aus, als der Treibstoff ausgeht. Ein Nachtanken im All wäre für einzigartige und teure Satelliten gefragt – etwa im Sinne der Fernerkundung der Erde. Denn solche Satelliten kommen in niedrigen Umlaufbahnen zum Einsatz und manövrieren viel. Ein Nachtanken aus Distanz wäre auch für Militärsatelliten nützlich“, so Ionin.

    Tags:
    Internationale Raumstation ISS