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    Flagge von Russland und EU

    „Russland für Euro existenzwichtig“ – Experte sieht „neue Horizonte“ für EU-Währung

    © Sputnik / Vladimir Sergeev
    Wirtschaft
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    Wirtschaftskooperation mit Russland gehört nach Ansicht von Euro-Analytiker Prof. Dietrich Walther zu den größten Voraussetzungen für die Euro-Rettung.

    Der Experte, dessen Bücher über Perspektiven der europäischen Gemeinschaftswährung vor kurzem auch in russischer Übersetzung vorgestellt wurden, teilt nicht den pessimistischen Standpunkt, der Euro sei am Ende seiner Kapazitäten. Im Gegenteil: Walther sieht neue Horizonte für die europäische Währung. Dabei spielt Russland nicht die letzte Rolle.

    „Wir müssten aus dem Euro neben dem amerikanischen Dollar eine sehr große weltweite Währung machen. Wir sind auf dem besten Weg. Das erfordert aber, dass der Euro auf ganz Europa übertragen werden sollte“, betont der Professor.

    „Russland gehört auch dazu. Wirtschaftlich halte ich Russland für außerordentlich bedeutsam für die ganze europäische Zone. Das entspricht dem, was Wladimir Putin erklärt hatte: Eine Wirtschaftszone von Lissabon bis Wladiwostok zu schaffen. Und das wäre am besten mit einer gemeinsamen Währung“, sagt Walther. 

    Protestaktion in Griechenland
    © AP Photo / Giannis Papanikos

    Als aktuelle Gefahren für die Zukunft des Euro werden „Grexit“ und „Brexit“ genannt. Über den Fall Griechenland sagte der Experte Folgendes: „Es wäre gar nicht so schlecht werden, wenn Griechenland austritt. Aber die Euroländer haben entschieden, Griechenland in jeder Form zu halten.  Das Ganze ist wiederum eine Frage des Geldes.“

    Die Flüchtlingskrise hat sich  positiv auf  Griechenland ausgewirkt, bemerkt der Experte. „Die europäischen Länder und die Türkei sind auf Griechenland angewiesen, was den Flüchtlingsstrom betrifft. Man ist in Brüssel positiv gestimmt, Griechenland in der Flüchtlingskrise zu helfen.  Griechenland bleibt in der Euro-Zone. Trotzdem sind die Probleme in Griechenland kurzfristig nicht zu lösen“.

    „Brexit“ ereigne sich auch nicht, ist Walther überzeugt. Zugleich räumt der Experte ein, dass England sich in einer Sonderposition befinde. „England befindet sich in einer Zwischenposition: Es liegt zwischen den Vereinigten Staaten und dem europäischen Festland. Man wird aber immer versuchen, gerade durch diesen großen Kapitalmarkt eine eigenständige Politik zu fahren. Der Eintritt in die Euro-Zone könnte sehr lange dauern. Und das wird nur dann erfolgen, wenn zum Beispiel alle anderen Länder mittelfristig entscheiden werden, auch den Euro zu nehmen. Dann wäre das  Vereinigte Königreich mit seinem Pfund natürlich sehr isoliert.“

    Türkei als Mittler in der Flüchtlingskrise

    In der Regelung der Flüchtlingskrise hebt Walther die Rolle der Türkei hervor: „Die Türkei hat eine Schlüsselfunktion. Sie hat eine sehr gute Position, um mit der EU verhandeln zu können, aufgrund dessen, dass dort der erste Flüchtlingszustrom neben Griechenland landet und dass man dort schon ganz gute Erfahrungen macht mit den 2,2 Millionen syrischen Flüchtlingen, die dort zumindest eine gute Unterkunft gefunden haben“.

    In Europa dürften nach Einschätzung Brüsseler Wirtschaftsfachleute bis Ende übernächsten Jahres weitere drei Millionen Flüchtlinge ankommen. Die Migration habe Prof. Walther zufolge großes Potenzial für den Arbeitsmarkt und das Bevölkerungswachstum. Es gehe dabei nicht nur um die Unterbringung und Versorgung der Migranten, sondern um die Bildung und die quantitative Arbeitsintegration: „Die Frage ist, was durch die Migration geschieht. Ich bin in den letzten Kriegstagen geboren worden und habe erlebt, als sich zuerst polnische Arbeiter, dann die Italiener, dann die Griechen und die Türken eingelebt haben.  Der Flüchtlingszustrom wird jetzt nicht abreißen.“ 

    Flüchtlingskrise im Schatten des Terrorismus

    Die Flüchtlingskrise habe einen sehr großen Hintergrund, der durch den ganzen Terrorismus geprägt ist. „Was die Deutschen stark verunsichert, ist die Frage, ob über den Flüchtlingsstrom Terroristen kommen können. Man hat ein bisschen Angst und Befürchtung, dass die Terrorismuswelle größer werden könnte, wenn man nicht darauf achtet, wer in die EU einzieht. Die Geheimdienste müssen viel intensiver zusammenarbeiten, um die Rückfälle der Attentate von Paris vermeiden zu können“, betont Walther.

    VW-Affäre: Großer Image-Schaden

    Der intensive Flüchtlingszustrom nach Deutschland ist nicht zuletzt auf das robuste Wirtschaftsimage des Landes zurückzuführen, meint der Experte. Doch auch dieses scheint gerade einen Stresstest durchhalten zu müssen, etwa durch die VW-Affäre. „Was Volkswagen gemacht hat, ist natürlich nicht zu akzeptieren“, sagt Prof. Walther. Er sehe da einen großen Image-Schaden. „Das Ganze ist ja eine andere Art von Sanktionen, weil z.B. die VW-Fahrzeuge nicht mehr ohne weiteres nach Amerika geliefert werden können. Jede Art von Sanktionen ist schädlich, dass sehen wir auch in den Russland-EU-Beziehungen. Das setzt natürlich voraus, dass die Beziehungen vernünftig sind“, sagt Walther.

    Dietrich Walther, Prof. Dr. h. c. mult., gründete 2000 die heute staatlich anerkannte Unternehmerhochschule BiTS Business and Information Technology School Iserlohn, die er 2008 mit dem U.S.- Bildungskonzern Laureate Inc. fusionierte.

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    Tags:
    Wirtschaft, Grexit, Brexit, EU, Wladimir Putin, Dietrich Walther, Türkei, USA, Griechenland, Russland