16:34 17 November 2018
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    Lebensmittel im russischen Supermarkt

    MarketWatch-Experte: Russland wird aus Handelskrieg mit Türkei als Sieger hervorgehen

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    In dem Handelskrieg, den Recep Tayyip Erdoğan initiiert hat und den nun Wladimir Putin führt, kann es nur einen Sieger geben und das wird mit Sicherheit Russland sein, schreibt der Analytiker Amotz Asa-El von der Agentur MarketWatch.

    Auf dem Spiel stünden, so Asa-El, „Handelsbeziehungen mit einem Umsatz von 30 Milliarden US-Dollar“, und während Russland nicht so sehr davon abhänge, seien sie für die Türkei lebenswichtig.

    Nachdem der Westen antirussische Sanktionen verhängt hatte, kaufte Russland etwa allein türkisches Obst und Gemüse für ca. vier Milliarden Dollar ein, allerdings würde es Moskau kaum schwer fallen, diese Lebensmittel bei anderen Ländern einzukaufen, genauso wie einen anderen Abnehmer für sein Getreide zu finden, schreibt der Analytiker weiter.

    Auf die Erholung in türkischen Kurorten waren die Russen laut Asa-El auch nicht unbedingt angewiesen, obwohl sich dorthin jährlich ca. 3,3 Millionen russische Bürger begaben. Die Türken brauchen die russischen Touristen im Gegenteil ganz dringend, denn auf sie entfallen ein Zehntel des Touristenstroms des Landes überhaupt.

    Die wirtschaftlichen Maßnahmen, die gegen die Türkei verhängt wurden, seien für sie doppelt gefährlich, denn die soziale Lage im Land sei im Gegensatz zu Russland angesichts des Syrien-Krieges und der Kurden-Frage instabil, unterstreicht Asa-El. 

    „Die Bauern, die nun den russischen Markt verlieren, und die Mitarbeiter von Hotels und Restaurants, die bald ihre russischen Kunden einbüßen, werden sich den Türken anschließen, die neben der einen Million syrischer Flüchtlinge den lokalen Arbeitsmarkt überfluten“, schreibt der Experte. 

    Sollte sich Russland zudem weigern, Gas in die Türkei zu liefern, würde die Lage erst recht schwer, fügt Asa-El hinzu. In diesem Fall würde Russland zwar Millionen verlieren, wäre jedoch in der Lage, die bittere Pille zu schlucken, während die türkische Wirtschaft dadurch praktisch „zum Stilstand gebracht“ wäre.

    Es gehe nämlich nicht nur darum, dass Russland die Hälfte der türkischen Energiebilanz decke, sondern auch darum, dass Erdoğan sich mit allen alternativen Lieferanten: dem Iran, Ägypten, Saudi Arabien sowie anderen Golfstaaten „verzankt“ habe.

    Wladimir Putin verstehe zwar, so Asa-El, dass Russland bestimmte finanzielle Verlusten werde in Kauf nehmen müssen, doch sei ihm „die Ehre des Landes“ wichtiger.

    „Im Streit mit Erdoğan um den abgeschossenen Bomber wird Putin vor allem auf die Ehre setzen“, schreibt der Analytiker. Aus seiner Sicht wird der russische Präsident es nicht verzeihen, dass die Türkei die russische Su-24 abgeschossen hat. Und das aus politischen genauso wie aus wirtschaftlichen Gründen: Das Prestige der russischen Waffen sei angeschlagen worden.

    Mehr zum Thema: Erdogan droht Russland mit Gegenmaßnahmen

    „So hat die Türkei allen Grund zu befürchten, dass der wirtschaftliche Druck aus Russland, der nun entsteht, nicht nachlassen wird, bis eine bestimmte Person in Ankara etwas getan haben wird, was bisher weder Putin noch Erdoğan getan haben, und zwar kapituliert“, folgert der Experte.

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