11:58 06 April 2020
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    Russische Einschränkungen für die Türkei (60)
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    Die zunehmenden Diskrepanzen zwischen Ankara und Moskau, die der Abschuss des russischen Su-24-Jet durch einen türkischen Kampfflieger ausgelöst hatte, drohen, die Türkei und Europa in Rivalen im Kampf um zu Russland alternative Energieträgerlieferanten zu verwandeln, schreibt die Zeitung Politico.

    „Die Türkei befindet sich in einer äußerst prekären Lage, denn die Einstellung der Gaslieferungen durch Russland würde für Ankara aus geopolitischen Gründen zu einer unausweichlichen Katastrophe führen“, meint der Analytiker des europäischen Bruegel-Instituts, Simone Tagliapietra. Im Falle des Abbruchs der Beziehungen zu Moskau werde es den türkischen Behörden schwerfallen, in mittelfristiger Perspektive  Gaslieferquellen sicherzustellen.

    Die Zeitung unterstreicht, dass der jüngste Aserbaidschan-Besuch des türkischen Premiers Ahmet Davutoglu mit dem Wunsch Ankaras verbunden sei, baldmöglichst mit dem Bau der Transanatolischen Gaspipeline (TANAP) zu beginnen. Diese Gasleitung gilt als Schlüsselabschnitt des Großprojektes Südlicher Gaskorridor, das mit Unterstützung der EU-Kommission gestartet wurde und den Transport von jährlich 16 Milliarden Kubikmeter Gas nach Europa, davon sechs Milliarden Kubikmeter in die Türkei, vorsieht.

    Gasmeßstation in der russischen Region Kursk
    © Sputnik / Ilya Pitalew

    Im Falle der Einstellung der russischen Gaslieferungen würde Ankara viel mehr Gas aus dem Kaspi-Raum benötigen. Die Gasmengen, die Ankara dabei über die Transanatolische Gaspipeline beziehen könnte, würden das Gesamtbild wohl kaum verändern, so der Experte. Selbst bei einem beschleunigten Bau der Gasleitung sei deren Inbetriebnahme zeitlich viel zu weit entfernt, so Tagliapietra.

    Der Analytiker stimmt mit Marco July, seinem Kollegen aus dem European Policy Center, EPC, darin überein, dass Ankara im Kampf um Energieressourcen mit Brüssel rivalisieren werde.

    Auch die Versuche der türkischen Behörden, Lieferanten von verflüssigtem Gas an sich zu binden, seien nicht sehr vielversprechend, so Tagliapietra. Trotz des mit Katar unterzeichneten Memorandums über gegenseitige Verständigung hinsichtlich des Kaufs von verflüssigtem Gas könne die Türkei jetzt von den benötigten 14 Milliarden Kubikmeter Gas nur sieben Milliarden beziehen. Die übrigen sieben Milliarden sollen vertragsgemäß nach Algerien und Nigeria geliefert werden.

    Infografik: Die Gaspipeline Turkish Stream

    Nach Meinung des Experten sind die heutigen Versuche der Türkei, alternative Energielieferungen zu diversifizieren, realitätsfremd.

    Indes wird Russland nach Expertenschätzungen den Export von Gas in die Türkei nur einstellen, falls der Konflikt zwischen beiden Staaten in eine neue, noch schärfere Eskalationsphase gehen sollte.

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    Gas, Ahmet Davutoglu, Marco July, Russland, Türkei