02:35 20 Februar 2020
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    Terrororganisation Daesh (307)
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    Daesh (auch “Islamischer Staat” oder IS) will libysche Ölfelder erobern, obwohl die libysche Ölindustrie im Verfall ist und weniger als ein Sechstel der möglichen Menge fördert. Illegales IS-Öl: Schon bald in der Schweiz erhältlich?

    Daesh kann die Förderung in Libyen wegen fehlenden Einrichtungen und Spezialisten nicht ausbauen, jedoch bekommen die Extremisten vom Verkauf des libyschen Erdöls garantierte Einnahmen: Sie verkaufen es für zehn US-Dollar je Barrel, was etwa 300 Prozent Gewinn für die Zwischenhändler bedeutet, so dass es nicht an Abnehmern für das Schmuggelöl mangelt.

    Daesh baut seine Präsenz in Libyen aus. Wie der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian in einem Interview mit dem Radiosender RTL sagte, rücken die an der libyschen Mittelmeerküste stationierten Extremisten in die zentralen Gebiete des Landes vor.

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    Bereits Ende November wurde berichtet, dass die Terrorgruppe in der libyschen Hafenstadt Sirte ein Hauptquartier eingerichtet hat und neu angeworbene Mitglieder nicht mehr nach Syrien und in den Irak, sondern nach Libyen gehen wollen. Damals warnte der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi davor, dass es in Libyen zu einem Konflikt, wie in Syrien kommen kann.

    Die Befürchtungen der Italiener sind verständlich: Italien könnte das nächste Ziel von Daesh werden. Das sagte auch der Chef des militärischen Aufklärungsdienstes in Libyen, Ismail Shukri.

    Dem Vizepräsidenten des Zentrums für politische Technologien Alexej Makarkin zufolge kann noch keine Rede davon sein, dass Daesh aus dem Irak und aus Syrien verdrängt wird. „Im Irak werden sie wirklich ernsthaft von den Kurden verdrängt, aber das geht sehr zäh voran“, sagte der Experte. „Trotz des Widerstandes der Truppen von Baschar al-Assad sowie der Bombardierung durch Russland und die westliche Koalition fühlt sich Daesh in Syrien jedoch vollkommen sicher“.

    Makarkin hebt hervor, dass die Daesh-Expansion in Libyen (wie auch in Afghanistan und im Nordkaukasien) aufgrund eines eigenartigen Franchise-Systems verläuft. „Der IS schließt lokale radikale Gruppen an, die sich früher in diesem oder jenem Grad auf al-Qaida orientiert waren", sagte der Politikwissenschaftler.

    Jean-Yves Le Drian erklärte, dass die IS-Kämpfer immer weiter ins Innere Libyens zur Ergreifung der Ölförder-Infrastruktur vorrücken würden.

    Zuvor wurde berichtet, dass Daesh mehr als 60 Prozent der Ölförderung in Syrien und etwa zehn Prozent im Irak kontrolliert. Nach Schätzungen der Firma IHS entfielen auf den Ölhandel Ende dieses Jahres 43 Prozent aller Einnahmen von Daesh, die auf etwa 80 Millionen US-Dollar im Monat geschätzt werden. Den größten Teil (50 Prozent) nehmen die Terroristen durch Steuerabgaben auf kommerzielle Tätigkeiten in den von ihnen kontrollierten Gebieten und durch die Beschlagnahme von Gebieten ein.

    Karikatur: Illegales IS-Öl: Schon bald in der Schweiz erhältlich?

    Das US-Finanzministerium teilte vergangene Woche mit, dass Daesh aus dem Ölverkauf etwa 40 Millionen US-Dollar im Monat bekomme, wobei der Rohstoff von der Türkei und Syrien eingekauft werde, die offiziell gegen die Terroristen kämpfen. Die Türken dementierten jedoch Vorwürfe, mit Daesh Handel zu treiben (solche Vorwürfe erhob insbesondere Russland). Die Türkei antwortete, dass Russland selbst Öl bei den Extremisten einkaufe.

    Was Libyen betrifft, so werden die dort förderbaren Ölvorräte auf 6,5 Milliarden Tonnen geschätzt, von denen jedes Jahr 130 Millionen Tonnen gewonnen werden können, so der Experte des russischen Ölindustrieverbandes Rustam Tankajew.

    “Libyen hat jedoch sogar in seinen besten Jahren nicht mehr als 85 Millionen Tonnen gefördert”, betont Tankajew. „Derzeit beläuft sich die Förderung nur auf etwa 20 Millionen Tonnen“. Die Ölproduktion in Libyen war vor dem Ausbruch des Konflikts, der mit dem Sturz Muammar al-Gaddafis endete, schnell eingebrochen.

    Infografik: Geschichte des islamistischen Terrorismus

    Selbst wenn Daesh alle Ölfelder in Libyen erobern sollte, werde es der Terrororganisation nicht gelingen, die Förderung auszubauen, so die Experten.

    “Ende des vergangenen Jahres war Libyen nicht unter den 20 führenden Ölproduzenten“, erinnert der Chefanalytiker von Rye, Man & Gor Securities, Sergej Pigarew. „Für den Ausbau der Förderung sind Geld, Personal und Technologien notwendig. Der IS verfügt nicht darüber“.

    “Sehr viel wurde bei den Kriegseinsätzen zerstört und ausgeraubt“, so Tankajew. „Der „Islamische Stadt“ finde keine Fachkräfte und Technik. Die Extremisten könnten das libysche Öl an jedermann verkaufen, so Tankajew weiter.

     „Nach unbestätigten Angaben beträgt der ursprüngliche Preis des Schmuggelöls nur zehn US-Dollar je Barrel“, ergänzt der Experte. „Mit dem Weiterverkauf dieses Erdöls bekommt der Zwischenhändler etwa 300 Prozent Gewinn, und unter solchen Bedingungen werden viele am Schmuggel interessiert sein.

    Nach inoffiziellen Informationen sind mehrere mit Daesh handelnde Zwischenhändler in der Schweiz und in Israel registriert. „Was aber nicht heißt, dass die Schweizer oder Israelis am Schmuggel teilnehmen“, betont Tankajew. „In diesen Ländern sind lediglich viele Ölhändler registriert.

    Jedenfalls wird die Situation in Libyen keinen wesentlichen Einfluss auf den Ölweltmarkt ausüben.

    “Zum jetzigen Zeitpunkt bleiben die wichtigsten Faktoren, die die Kotierungen des schwarzen Goldes beeinflussen, die Rückkehr des iranischen Öls auf den Weltmarkt und der Beginn des Zyklus der Zinserhöhungen des Federal Reserve System der USA“, erklärt Pigarew. „Weniger bedeutende Ereignisse bemerkt der Markt jetzt nicht“.

    Der Iran versprach, nach der Aufhebung der Sanktionen die Lieferungen um mindestens 0,5 Millionen Barrel pro Tag zu steigern, was ein zusätzliches Angebot schaffen und auf die Erdölpreise Druck ausüben wird. Die Erhöhung des Zinssatzes des Federal Reserve System der USA wird zur Erstarkung des Dollars und zu einer entsprechenden Schwächung des Barrelpreises führen, da die Erdölverträge in der US-Währung abgeschlossen wurden.

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    Tags:
    Öl, Terrormiliz Daesh, Alexej Makarkin, Türkei, Syrien, Libyen