22:41 19 November 2017
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    Experte: Europa und USA werden in Afrika abgehängt – China auf Vormarsch

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    China ist in Afrika auf Vormarsch und hat nach Ansicht des China-Experten Frank Sieren mittlerweile bessere Beziehungen zu Afrika.

    "Die afrikanischen Regierungen haben jetzt die Wahl. Das ist auch der Unterscheid zu früher, zu den Kolonialzeiten“, so Sieren, dessen Buch „Der Afrika-Boom – Die große Überraschung des 21. Jahrhunderts“, soeben erschienen ist. „Sie müssen ja nicht mit China zusammenarbeiten. Sie können auch mit den Japanern, die sehr stark sind, zusammenarbeiten, mit den Südkoreanern oder mit den Indern. Sie haben also die Auswahl, und das bedeutet natürlich, dass die Chinesen, so mächtig sie auch sein mögen und so viel Geld sie auch haben mögen, nicht einfach machen können, was sie wollen, sondern sie müssen sich an die afrikanischen Gepflogenheiten anpassen. Das bedeutet zum Beispiel, dass auch die afrikanischen Regierungen immer mehr fragen – „Wie viele Arbeitsplätze werden denn lokalisiert?“. Also das gleiche jetzt mit den Chinesen machen, was die Chinesen vor zwanzig Jahren mit dem Westen gemacht haben."

    "Die Idee hinter dem afrikanischen Industrialisierungsprogramm ist, dass man in dieser Frage zusammenarbeitet, weil es für beide Seiten sinnvoll ist“, so der Experte, der seit über 20 Jahren in Peking lebt, in einem Sputniknews-Gespräch mit Bolle Selke. „Afrika braucht eine eigene Industrie und China muss gucken, wie sie mit ihren Industrien, die in China zu teuer geworden sind, irgendwo weiter kommt. Und an dieser Stelle kann man sehr gut zusammen arbeiten. Und wenn das reibungslos funktioniert, dann ist das für beide Seiten eine sinnvolle Angelegenheit."

    Auch militärisch erschließt China allmählich den afrikanischen Kontinent. "Bei der militärischen Zusammenarbeit hat es ja eine riesige Neuigkeit gegeben. Die Chinesen bauen jetzt in Djibouti ihren ersten festen ausländischen Militärstandort. Das hat es in der Form noch nicht gegeben. Dabei geht es vor allem erstmal darum, die wirtschaftlichen Aktivitäten zu schützen, aber vielleicht auch in einem zweiten Schritt darum, sich an bestimmten internationalen Einsätzen dann vielleicht in der Zukunft zu beteiligen."

    "Es sieht ganz so aus, als ob Europa in Afrika abgehängt wird“, betont Sieren. „Das gilt übrigens nicht nur für Europa, das gilt auch für Amerika. Die haben einfach das Geld nicht mehr da mitzuspielen, und stehen sich was die Spielregeln betrifft dann ein bisschen selbst im Weg und das ist natürlich ein Problem, da wird vielleicht noch nicht gesehen, dass es einen realen Wettbewerb gibt und dass die afrikanischen Regierungen unter diesen verschiedenen Angeboten aussuchen.“

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    Der Experte sieht inzwischen ganz eindeutige globale Folgen dieses Prozesses. „Diese Entwicklung von einer Nord-Süd-Hilfe zu einer Süd-Süd-Kooperation wird nicht nur wirtschaftliche Folgen haben, sondern auch politische. Man konnte das bei der letzten großen Tagung der Vereinten Nationen sehen, da sind dann schon viele der kleinen aufstrebenden Länder auf Seiten der Chinesen, aber auch auf Seiten der Russen — das hat man ganz klar bei den Reden von Xi Jinping und von Wladimir Putin sehen können — und eben nicht mehr auf Seiten der Amerikaner. Weil sie halt genau sehen, dass die Amerikaner, dass der Westen nicht mehr so viel für sie tun kann oder nicht mehr so viel tut. Dadurch gibt es schon eine auch politische Machtverschiebung infolge dieser wirtschaftlichen Machtverschiebung, die ich nicht unterschätzen würde."

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    Tags:
    Xi Jinping, Wladimir Putin, China, USA, Afrika
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