14:56 29 Januar 2020
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    Der Börsen-Kollaps am ersten Arbeitstag des neuen Jahres in China, dem ein dramatischer DAX-Absturz folgte, muss nach Ansicht von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, nicht überinterpretiert werden. Viel mehr Risiken für die Aktienmärkte stecken in der geopolitischen Entwicklung. Ein Interview.

    Herr Hellmeyer, nach einem dramatischen Kurseinbruch in den Börsen hat China die Notbremse gezogen und den Aktienhandel komplett eingestellt. Auch für Börsenexperten sicher keine alltägliche Aktion, oder?
     
    Es ist keine alltägliche Aktion, aber es ist eine, die durchaus ihre Berechtigung hinsichtlich des Regelwerks hat, das man sich an den chinesischen Aktienmärkten hat. Dennoch ist es aber eine Situation, die das Vertrauen in die Märkte nicht notwendigerweise stärkt.
     

    Ursache für den Kurssturz waren schlechte Daten des produzierenden Gewerbes in China und die Furcht vor steigenden Ölpreisen im Nahen Osten. War denn dann dieser Stopp des Aktienhandels nicht nur ein Aufschub und keine Unterbindung von möglichen neuen Kurseinbrüchen?
     
    Es ist grundsätzlich erst einmal eine Maßnahme, die Ruhe in die Märkte bringen soll. Wir haben heute an den internationalen Märkten sehr stark automatisierten Handel, wo dann einfach mangels Liquidität unrealistische Bewertungen erzwungen werden. Insofern ist es ein Mittel, was übrigens auch in den USA angewendet wird, nur nicht in dieser Form, wie wir es aus China kennen, um dem Markt die Möglichkeit zu geben, durchzuatmen, rationaler zu bewerten. Das ist die positive Note, die wir dem Ganzen geben können. Die negative ist, dass solche Maßnahmen, wie gesagt, nicht das Vertrauen in die Märkte stärken. Die tatsächlichen Fakten sind aber weitaus weniger dramatisch.

    Ist es eigentlich reiner Zufall, dass dieser Schutzmechanismus heute erst in Kraft getreten ist und dann auch tatsächlich angewendet wurde?
     
    Wir können es darauf zurückführen, dass wir zu Jahresbeginn eine sehr dünne Liquidität an den Märkten haben. Ich bin aber nicht bereit, diese schwache Tendenz am chinesischen Aktienmarkt so fortzuschreiben. Es gibt eine Reihe von Indikatoren, die ermutigen. Und ich mache mir um das Wachstumsziel Chinas von 6,5 Prozent überhaupt keine Sorgen. So wie ich mir auch im letzten Jahr keine Sorgen gemacht habe. Fakt ist: Im letzten Jahr war nicht die chinesische Wirtschaft die große Enttäuschung, sondern die US-Wirtschaft, dort haben wir die größte Verfehlung unter den großen Wirtschaftsnationen bezüglich der Jahresanfangsprognose.

    Die Krisenherde im Nahen Osten und anderen Regionen – wie können diese den Börsen in diesem Jahr zu schaffen machen?
     
    Die Konstellation, die wir jetzt im Nahen Osten haben, mit all den Teilnehmern auch außerhalb des Arabischen Raums, inkludiert ein Risiko, dass aus diesem regionalen Konflikt ein größerer Konflikt auf der Weltbühne werden kann. Das ist in der Tat für mich das Hauptrisiko, mit dem wir konfrontiert sind, neben dem Risiko-Faktor Ukraine. Insofern bleiben die geopolitischen Risiken die Hauptrisiken, insbesondere für die Aktienmärkte. Aber in unserer Prognose gehen wir davon aus, dass diese Konflikte unter Kontrolle bleiben werden. 
     
    Interview: Marcel Joppa

     

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    Tags:
    Börsen, USA, China