11:34 20 Oktober 2020
SNA Radio
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    Rettungsanker in der Ölkrise (90)
    721548
    Abonnieren

    Russische Experten erwarten eine „nervöse“ Zeit für den Ölmarkt. Der derzeitige Preisverfall, so eine Prognose, könnte in ein paar Jahren auf Öldefizite hinauslaufen. Dann wäre ein „unglaublicher“ Preisanstieg zu erwarten. Für die Weltwirtschaft könnten diese Schwankungen negative Folgen haben.

    Sergej Suwerow, Analyst von Russian Standard, sagte am Mittwoch im russischen Radiosender Kommersant FM: „Die niedrigen Rohstoffpreise gehen aus meiner Sicht auf drei wichtigste Faktoren zurück. Erstens handelt es sich um eine Überproduktion, zweitens um die Verlangsamung der chinesischen Wirtschaft und drittens um die Erhöhung des US-Zinssätze, die den Dollar stärker machen und den in Dollar berechneten Rohstoffpreis nach unten drücken.“

    Rustam Tankajew, Experte des russischen Öl- und Gasunternehmer-Verbandes, sieht auch weitere Gründe. Die „Rossijskaja Gaseta“ zitierte ihn am Mittwoch mit den Worten: „Die derzeitigen Preise hängen davon ab, dass Saudi-Arabien seinen Preiskrieg weiterführt, um seinen Marktanteil zu erhöhen. Russland rangierte unterdessen auf Platz eins weltweit in Bezug auf den Export von Öl und Ölprodukten.“

    Alexander Dawydow, Analyst von InstaForex, kommentierte für Kommersant FM: „Die Rohstoffpreise werden künstlich nach unten getrieben. Früher oder später – in einem oder in höchstens zwei Jahren – läuft dies darauf hinaus, dass das Rohstoff- und vor allem wohl das Ölangebot nicht mehr ausreichen wird. Dann erleben wir einen drastischen, unglaublichen Preisanstieg, was die ganze Weltwirtschaft ebenfalls destruktiv beeinflussen wird.“

    Alexander Rasuwajew, Analyst von Alpari, stimmt generell zu: „In drei bis fünf Jahren werden wir möglicherweise mit Rohstoffdefiziten konfrontiert. Es ist durchaus möglich, dass die Welt vor einer sehr ernsthaften Krise steht, denn Rohstoffkonzerne haben aktiv Geld geliehen. Mal sehen, wie sich die Banken verhalten werden. Es gibt einen Standpunkt, wonach Bankrotterklärungen von Rohstoffunternehmen und überhaupt eine Rohstoffkrise zu erwarten wären – wie am Subprime-Markt in den 2000er Jahren. Es wird eine ernsthafte Weltkrise geben, die zu einer Rezession weltweit führen könnte.“

    Tankajew sagte weiter, die Nachfrage nach Öl übertreffe eigentlich bereits jetzt das Angebot. Doch die Verbraucher hätten dermaßen große Ölreserven akkumuliert, dass der Preis vorerst weiter nach unten gedrückt werde. Ein Gleichgewicht könnte laut Tankajew erreicht werden, falls der Ölpreis wieder auf rund 70 US-Dollar pro Barrel steigt: „Dieser Wert ist natürlich etwas theoretisch. Doch aus meiner Sicht haben wir binnen einigen Jahren eine Chance, diesen oder einen noch höheren Ölpreis zu erleben. In den nächsten Monaten könnte sogar die 100-Dollar-Marke erreicht werden, wonach starke Schwankungen auf der Suche nach einem Gleichgewicht beginnen würden.“

    Sergej Pikin, Chef des Energy Development Fund, prognostizierte für die „Rossijskaja Gaseta“: „Ich denke, das erste Quartal und das erste Halbjahr 2016 werden für den Ölmarkt sehr nervös sein. Ab zweitem Halbjahr könnten wir gegen Jahresende einen Durchschnittspreis von 40 bis 50 Dollar pro Barrel erreichen.“

    Der russische Finanzminister Anton Siluanow sagte allerdings am Mittwoch: „Derzeit vollzieht sich eine sehr harte Ausbilanzierung des Ölmarktes. Wir sehen, dass niemand die Ölproduktion reduziert. In nächster Zeit werden wir wahrscheinlich einen weiteren Preisrückgang beobachten.“ Anfang der laufenden Woche war der Ölpreis auf rund 30 US-Dollar pro Barrel gefallen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren
    Themen:
    Rettungsanker in der Ölkrise (90)

    Zum Thema:

    Ölförderung: Moskau stellte 2015 neuen Rekord auf
    US-Unternehmen lassen Ölreserven "verschwinden"
    Billiges Öl: US-Firmen stehen kurz vor Bankrott
    Ölpreissturz: Moskau womöglich bald vor schwerer Wahl
    Tags:
    Gas, Öl, Anton Siluanow, Rustam Tankajew, Sergej Suwerow