07:35 21 Oktober 2020
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    Rettungsanker in der Ölkrise (90)
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    Die Aufhebung der internationalen Sanktionen gegen Teheran hat den Ölpreis zusätzlich nach unten gedrückt. Russische Experten prognostizierten, wie stark der Iran seine Ölexporte nun erhöhen könnte, und erläutern, ob wieder ein Preisanstieg zu erwarten wäre.

    Alexander Rasuwajew, Chefanalyst der russischen Brokerfirma Alpari, sagte am Montag im Radiosender Kommersant FM, den ersten Rückschlag für die Preise angesichts des iranischen Comebacks habe der Ölmarkt schon in gewisser Hinsicht wettgemacht: „Was aber gefährlicher ist, der Iran könnte künftig seine Förder- und Exportmengen erhöhen.“

    Bisher habe der Iran wesentliche Ölmengen inoffiziell unter Umgehung der Sanktionen exportiert – vor allem nach China. Nun werde er diese Exporte legalisieren, so der russische Analyst. Die Regierung in Teheran hat jetzt angekündigt, den Export um 500.000 Barrel täglich erhöhen zu wollen. Als Käufer wird vor allem eben China ins Visier genommen.

    Rasuwajew kommentierte: „Ich denke, der Iran gibt sich Mühe, um Absatzmärkte ohne politische Risiken zu haben. Europa ist für ihn vorerst ein ziemlich risikoreicher Markt, und zwar wegen der Politik. Und China wird iranisches Öl unabhängig davon kaufen, welche Beziehungen der Iran mit den USA und mit der EU hat.“

    Die aktuelle Situation wird aber laut Rasuwajew nicht nur vom Wegfall der Iran-Sanktionen beeinflusst: „Man muss begreifen: Die Ölpreise und der Ölmarkt werden nicht nur von Angebot und Nachfrage bestimmt. Darüber hinaus ist der Markt ein Finanzinstrument. Soviel wir verstehen, spekulieren die weltweit führenden Finanzunternehmen nach wie vor auf Baisse. Dieser Faktor ist von größerer Bedeutung.“

    Der Experte erläuterte: „Angesichts aller Faktoren wird das Spiel weiter gehen. Goldman Sachs hat 20 US-Dollar pro Barrel prognostiziert. Möglicherweise stimmt das auch. Doch alle wichtigsten Schiefer-Projekte in den USA sind bereits jetzt verlustbringend – das bedeutet ein sehr ernsthaftes Finanzproblem. Deshalb wäre ein Preisanstieg zurück auf einen annehmbaren Stand zu erwarten. Wenn wir von den Selbstkosten und von einer reinen 10- bis 20-Prozent-Rentabilität ausgehen, so würde sich ein Preis von 80 Dollar und mehr ergeben. Die Frage ist allerdings, wann es dazu kommt. Eine Wende wäre bereits im laufenden Jahr möglich. Und ein Anstieg auf den erwähnten Preisstand lässt sich erreichen, wenn die Ölförderung in den USA schrumpft. Doch das geschieht eher 2017.“

    Eldar Kassajew, Experte des russischen Öl- und Gas-Unternehmerverbandes, kommentierte für den Radiosender BFM, die realen Chancen des Iran, seine Konkurrenten am Ölmarkt zurückzudrängen, seien nicht groß: „Denn während der Laufzeit der Sanktionen hatten die Iraner keine Möglichkeit, ausreichend Mittel zu bekommen, um ihre Öl-Infrastruktur weiterzuentwickeln.“

    Kassajew prognostizierte, der Iran sei wahrscheinlich in der Lage, seinen Ölexport schnell um rund 300.000 Barrel täglich zu erhöhen. Das sei aber nicht so viel. Von einer Erhöhung um eine Million Barrel könne auf jeden Fall nicht die Rede sein, obwohl die Nachfrage langsam steige.

    Am Montagmorgen war der Ölpreis der Marke Brent in London vorübergehend auf 27,67 US-Dollar pro Barrel gefallen. Das war der tiefste Stand seit Ende 2003. Dieser Preisverfall hängt mit der Aufhebung der internationalen Sanktionen gegen Teheran zusammen. Derzeit exportiert der Iran rund eine Million Barrel Öl täglich.

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    Öl, Sanktionen, EU, Eldar Kassajew, Alexander Rasuwajew, USA, Iran