09:55 02 Juli 2020
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    Rettungsanker in der Ölkrise (90)
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    Teheran kehrt nach der Aufhebung der Sanktionen gegen ihn als vollberechtigter Akteur auf den Markt zurück, wird aber keine Wirtschaftskriege entfesseln, erklärt der ehemalige hochrangige Mitarbeiter des US-Energieministeriums, Charles McConnell.

    Die Aufhebung der Iran-Sanktionen wird zwar den Überschuss auf dem Ölmarkt festigen, kritischen Folgen wegen des vom Iran beanspruchten Marktanteils seien jedoch nicht zu erwarten, so McConnell, der zum gegenwärtigen Zeitpunkt Exekutivdirektor der Energie-Initiativgruppe an der Rice Universität in Houston ist.

    „Die Rückkehr des Irans wird weltweiten Ölüberschuss festigen. Saudi-Arabien hat schon erklärt, dass es seinen Marktanteil nicht verlieren will. Die Erdöllieferanten aus dem Nahen Osten zeichnen sich durch die niedrigsten Förderungsausgaben aus und können es sich leisten, ihre Reserven aufzustocken. Ich glaube trotzdem nicht, dass dies einen bedeutenden, langfristigen Einfluss haben wird. Der Iran wird aber gestärkt und als vollberechtigter Akteur auf den Weltmarkt zurückkehren“, so McConnell.

    Die Sanktionen gegen den Iran waren am 16. Januar aufgehoben worden, nachdem in Wien eine erfolgreiche Umsetzung des Iranabkommens festgestellt worden war. Früher hatte die iranische Regierung erklärt, dass das Fördervolumen des Landes nach der Aufhebung der Sanktionen um 500.000 Barrel pro Tag erhöht werden könne. Nach Angaben von Bloomberg sei jedoch eine geringere Menge zu erwarten, als der Iran noch 2011 nach Europa exportiert hatte (665.00 Barrel pro Tag) – etwa ein Drittel des aktuellen Förderungsvolumens. Länder wie Saudi-Arabien, USA und Russland produzieren zum Vergleich etwa 10 Millionen Barrel Erdöl pro Tag.

    Charles McConnell macht weiter darauf aufmerksam, dass Russland die Erdölförderung in schwierigen Zeiten reduziert hat. Das Land habe laut dem Experten ein reiferes langfristiges Herangehen gewählt. Der Iran habe hingegen einen kritischen, kurzfristigen Bedarf nach Gewinnakkumulation. Wie US-Außenminister John Kerry gegenüber CNN sagte, brauche der Iran rund 0,5 Billion Dollar, um seine Produktion wiederherzustellen, was zehn Mal weniger ist, als sich auf seinen bislang eingefrorenen Konten befindet.

    „Die Ölpreise sind zurzeit wirklich niedrig. Ich glaube aber nicht, dass das lange anhalten wird. In wenigen Monaten wird der Markt den Einfluss geringerer Förderung und Investitionskürzung spüren, was zu einem langfristigen Preisanstieg führen sollte“, so die Prognose des Experten.

    Darüber hinaus empfiehlt McConnell allen Staaten außerhalb der Nahost-Region, die Möglichkeit einer geopolitischen Destabilisierung zu berücksichtigen, wenn sie die Liefersicherheit gewährleisten wollen. Der Preis sei in dieser Situation die wichtigste Voraussetzung für eigene Sicherheit, schlussfolgert der Experte.

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