13:12 24 Oktober 2017
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    Fracking-Boom: US-Spekulationsblase droht zu platzen

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    Der erdrutschartige Ölpreisverfall kann eine neue Finanzkrise verursachen. Die Schulden der Fracking-Industrie haben eine neue Spekulationsblase erzeugt. Bei den aktuellen Tiefstpreisen für Öl und Gas droht diese nun zu platzen.

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    Im Kern gehe es um den Schuldenberg, den die Fracking-Firmen angehäuft hätten, schreibt Hayat Gazzane in der französischen Zeitung „Le Figaro“. Mit den Schulden sei eine Spekulationsblase aufgepumpt worden, die zu platzen drohe.

    Am Donnerstag kostete ein Barrel der Sorte WTI 28,69 US-Dollar, nachdem es am Vortag unter 28 Dollar gerutscht war. Ein Fass der Marke Brent zog am Donnerstag zwar ebenfalls nach. Zuvor war es aber unter 28 Dollar gefallen – der tiefste Wert seit November 2003. Insgesamt verlor das Schwarze Gold in eineinhalb Jahren seit Mitte 2014 75 Prozent seines Werts.

    Diese Preisentwicklung wirke sich unmittelbar auf die Wirtschaftlichkeit der Fracking-Unternehmen aus, schreibt der Experte. Schon bei einem Preis von unter 60 US-Dollar pro Barrel würden die Firmen in die Verlustzone geraten.

    Und die neuesten Daten der Bank of America bestätigen: Der Energie- und Bergbausektor macht rund 30 Prozent des Marktes für Junk-Bonds – auch Ramsch-Anleihen genannt – aus. Dabei handelt es sich um hochverzinsliche Unternehmensanleihen, die zugleich auch hochspekulativ sind. Firmen, die diese Schuldscheine anbieten, haben schlicht eine schlechte Bonität. Auf 400 Milliarden US-Dollar lässt sich der Wert dieser im Umlauf befindlichen Papiere beziffern. Der Energiesektor macht 250 Milliarden davon aus.

    „Allein die kleinsten Fracking-Firmen, die solche Anleihen emittiert haben, stecken mit 83 Milliarden US-Dollar in den Schulden“, betont Benjamin Louvet, Manager für Rohstoffmärkte bei Ofi Asset Management.

    „In der Tat wurden Bohrungen nach Schieferöl- und —gas kreditfinanziert“, sagt Hayat Gazzane. „Doch diese Quellen sind schnell ausgeschöpft, und die Fracking-Firmen müssen weitere Bohrungen vornehmen, um die Förderraten stabil zu halten.“

    „Bei einem Ölpreis von 100 Dollar drängten sich diese Firmen mit hohen Renditeversprechen den Banken geradezu auf“, sagt Nicolas Cheron, Experte für strategische Marktplanung bei CMC Markets.

    Also: „Die Banken haben den boomenden Sektor finanziert. So sind Unternehmen entstanden, die unter normalen Marktbedingungen gar nicht aufgetaucht wären“, sagt Hayat Gazzane. Doch die fallenden Ölpreise hätten die Situation verändert. Inzwischen würden die Finanzregulatoren Geldhäuser zur Vorsicht ermahnen bei der Finanzierung von Firmen, die am Rande des Bankrotts stünden. „Die Solvenz dieser Firmen wird von den Banken jedoch anhand ihrer Öl- und Gasreserven eingeschätzt. Mit fallenden Ölpreisen verlieren diese zusehends an Wert“, betont der Experte.

    Für 2015 gibt die Anwaltskanzlei Haynes & Boone LLP bekannt, dass 42 Öl- und Gasproduzenten insolvent geworden sind. Und die Tendenz könne sich im laufenden Jahr fortsetzen, meinen die Analysten.

    Auch für die Großbanken wende sich diese Situation zum Negativen: von Pleiten weit entfernt würden sie die finanziellen Verluste doch deutlich zu spüren bekommen. Noch größer sei dieses Risiko für regionale Banken, betont Gazzane.

    Explodiere die Schieferöl-Blase, würden die Folgen deutlich zu spüren sein werden, so das Fazit der Experten.

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    Tags:
    Öl, Fracking, Le Figaro, Benjamin Louvet, Hayat Gazzane, Nicolas Cheron, USA
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