09:35 10 Dezember 2019
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    Ölgewinnung in Irak

    Politico: Die Folgen der niedrigen Ölpreise

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    Rettungsanker in der Ölkrise (90)
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    Die Ölpreise sind nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für die Geopolitik eine Triebkraft, weshalb ihr Rückgang weitgehende Folgen für die ganze Welt haben könnte – Destabilisierung von Regierungen, Neugestaltung der Machtverhältnisse in vielen Regionen und unvorhersehbare Entwicklungen, schreibt die US-amerikanische Politico.

    Die Zeitung hat Kommentare von Experten veröffentlicht, welche Erschütterungen die Welt in der nächsten Zeit erwartet.

    Laut dem Politik-Professor der Stanford University Terry Lynn Karl bildet der heutige Ölüberschuss die Grundlage für einen künftigen Preisanstieg. Der Ölpreis werde zwar das ganze Jahr lang auf einem niedrigen Niveau bleiben, es werde jedoch nur eine Pause vor einem Anstieg sein.

    Ölgewinnung
    © REUTERS / Lucy Nicholson/Files

    „Trotz des großen Aufsehens um die niedrigen Ölpreise muss man verstehen, dass nur eine dünne Grenze einen Überschuss vom Defizit trennt. Die weltweite Ölproduktion ging bereits deutlich zurück, in den USA sank sie auf das Niveau von 2008. Konflikte und Widersprüche in den Ölförderregionen, die durch niedrige und instabile Ölpreise verschärft werden, können jederzeit ein Grund für Lieferausfälle werden“, so Karl. 

    Laut Gal Luft vom Institute for the Analysis of Global Security (IAGS) kann die aktuelle Situation nicht mehr lange dauern. Solange der Verkehr in der Welt vom Öl abhängt und die meisten Rohstoffreserven in repressiven Ländern konzentriert sind, ist der Zeitpunkt, zu dem die Preise erneut auf dreistellige Zahlen steigen werden, nur eine Frage der Zeit.

    Ian Bremmer von Eurasia Group zufolge ist die jetzige Situation auf den Märkten äußerst gefährlich für die Nahost-Region. Geopolitisch gesehen haben niedrige Ölpreise den größten Einfluss auf die Nahost-Länder, in denen die politischen Strukturen fragil sind und ihre Standfestigkeit vor allem vom Öl abhängt. 

    „In der ganzen Region gibt es indirekte und direkte Bedrohungen für die globale Sicherheit, während Regierungen keine sozialen, politischen und wirtschaftlichen Reformen durchführen, um auf die Probleme zu reagieren, auf die sie stoßen. Deswegen wird es beim Zusammenbruch ihrer Ölwirtschaften keine Faktoren mehr geben, die die Länder der Region zusammenhalten und vor Konflikten bewahren“, so der Experte.

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